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Marktforschung Tagung

11 Schritte zu mehr Bleisure

“Erstmals brachte das gerade stattgefundene Summit der Initiative Blend_it! in Frankfurt nahezu alle unterschiedlichen Stakeholder an einen Tisch. Zusammen wollen sie für mehr Bleisure und Workation sorgen und entwickelten elf Handlungswege.” Sylvie Konzack

Ob Travel Manager, Hotels, Destinationen, Airlines oder Mietwagenanbieter – das zweitägige Summit der Initiative Blend_it! im Juli in Frankfurt im Best Western Plus Welcome Hotel Frankfurt war ein erstmaliges Treffen der verschiedensten Akteure, die einen Rahmen für mehr Bleisure und Workation schaffen wollen. Zugleich, so zeigte sich schnell, trafen mit ihnen unterschiedliche Herausforderungen aufeinander, die wiederum für viele Aha-Momente bei jedem sorgten.

Denn die Travel Manager aus den Unternehmen beklagten neben rechtlichen Unsicherheiten und dem hohen bürokratischen Aufwand, dass Bleisure-Angebote bisher kaum im Buchungsprozess abgebildet sind. Zugleich stellten sie fest, wie sehr manche Angestellte den privaten Teil inzwischen in den Vordergrund ihrer Dienstreise-Planungen rücken.
Die
Destinationen beklagten, dass der Austausch mit Veranstaltern etc. für Bleisure-Angebote bisher zu gering sei und sie selbst in ihren Organisationen noch zu oft zwischen Freizeittourismus und Geschäftsreisen unterscheiden. Und die Hotels mahnten vor allem die schwierigen Buchungswege und den passenden Umgang mit Corporate-Raten an.

Doch der Tatendrang war groß, gemeinsam Lösungswege zu identifizieren und auf den Weg zu bringen. Ein Unternehmen berichtete z. B. von einer seit Jahren erfolgreichen Richtlinie, die besagt, dass der Bleisure-Teil nicht länger als der dienstliche Teil sein darf, damit die Reise dienstlich motiviert bleibt und kein geldwerter Vorteil entsteht. Die Rückreise muss zudem stets vom Dienstreiseort an die erste Tätigkeitsstätte bzw. Wohnung erfolgen, und die Abrechnung zwischen dienstlichen und privaten Ausgaben transparent getrennt sein.
Das
Kongresshotel Moa in Berlin stellte seine neue Coworking-Fläche vor, für die eigene Packages für Bleisure und Workation gestrickt wurden. Das Hotel plädierte dafür, dass Travel Manager solche Häuser, mit bereits speziellen Angeboten, noch gezielter in ihre Systeme aufnehmen, um ihren Mitarbeitern bei dem Thema noch besser gerecht werden zu können. 

Gemeinsam Standards entwickeln

Für viele Aha-Momente sorgten beim Summit auch die zwei vorgestellten Studien des Bleisure & Workation Monitor und des Bayerischen Zentrum für Tourismus (BZT) (wir berichteten bereits). Als erstmalige Studienprojekte zum Thema in Deutschland zeigen sie die bereits bestehende hohe Nachfrage nach Bleisure und Workation in Deutschland auf, zusammen mit Motiven und Wünschen. Darüber hinaus werden die bisher fehlenden Angebote von touristischen Leistungsträgern deutlich.

Auf Basis der Ergebnisse und identifizierten Herausforderungen auf allen Seiten erarbeiteten die Summit-Teilnehmenden in Frankfurt schließlich in interdisziplinären Workshops elf Handlungsfelder, die nun gemeinsam umgesetzt werden sollen. Dazu gehören rechtssichere Musterregelungen für Unternehmen, die Verankerung von Bleisure und Workation in Reiserichtlinien und der Abbau rechtlicher und steuerlicher Hürden, außerdem die technische Integration in bestehende Buchungs- und Abrechnungssysteme sowie ein engerer Schulterschluss zwischen Unternehmen und ihren Abteilungen (HR, Compliance, Finance), Technologieanbietern und Destinationen, nicht zuletzt auch für mehr positive Beispiele.

Die 11 Handlungsfelder im Detail:
1. Rechtssicherheit herstellen bis zum verwertbaren Template
2. Bleisure in die Richtlinie schreiben
3. Trennung von dienstlich und privat durchgängig abbilden
4. Buchungsplattform mit Split-Logik aufbauen
5. Bleisure & Workation in die bestanden Buchungsstruktur integrieren
6. Rechtssicheren Kanal zum Reisenden schaffen
7. MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions) und Destinationen als Einfallstor nutzen
8. Angebote klein, flexibel und anschlussfähig bauen
9. Akzeptanz durch einheitliches Wording und Aufklärung schaffen
10. Beweise liefern: Piloten und Case Studies statt weiterer Studien
11. Politische Rahmenbedingungen vereinfachen 

Jens Schließmann, Geschäftsführer des Geschäftsreiseverbands VDR, der die Initiative mit dem GCB ins Leben gerufen hat, betont: „Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, neue Freiräume zu ermöglichen und gleichzeitig Compliance, Fürsorgepflicht und Wirtschaftlichkeit sicherzustellen. Dafür brauchen wir gemeinsame Standards und praxistaugliche Lösungen. Der Summit hat gezeigt, dass wir diese nur gemeinsam mit allen Beteiligten entwickeln können.“
Am 28. Oktober 2026 will die Initiative auch ein Whitepaper im Rahmen eines Webcasts vorstellen.


Sylvie Konzack …

… nahm in diesem Jahr bereits vielfach an Fachkongressen zum Thema Bleisure & Workation teil. Beim Start des Magazins Bleisure Traveller 2018 war dies noch ein Wunschtraum.

 

Fotos: © Konzack, Initiative Blend_it!