“Eine neue Welle wissenschaftlicher Studien zeigt, wie sehr in Deutschland Bleisure und Workation angekommen sind. Danach haben 2025 schon
67 Prozent der Geschäftsreisenden eine Reise unternommen, so eine Umfrage des BZT und GCB mit der Initiative Blend_it!.
Laut Bleisure & Workation Monitor Deutschland sammelten gut ein Fünftel Workation-Erfahrungen.” Sylvie Konzack
„Ich bin erstmals überhaupt in Mainz und will beim nächsten Besuch unbedingt private Tage anhängen“, startete Andreas Zimmer sichtlich begeistert von der Rhein-Silhouette vor der Kongresstür die Ergebnispräsentation. Für Katja Mailahn und ihrem Team von MainzPlus Wasser auf den Mühlen. Bereits seit Jahren wirbt die Stadt zusammen mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz für Bleisure-Tage in der Region. 2023 veranstaltete Rheinland-Pfalz als Pionier in diesem Bereich sogar ein eigenes Themenjahr und entwickelte unter anderem das 20-Prozent-Hotelangebot „Stay a litte bit longer“.
„Bleisure Travel und Workation haben grundlegend verändert, wie wir Geschäftsreisen denken müssen“, stellte Katja Mailahn gegenüber ihren Tourismuskollegen aus ganz Deutschland fest. Dazu gehöre, in den Destinationen weniger zwischen Business und Freizeit-Reisen zu unterscheiden und hier mehr zusammenzuarbeiten. Sie ist überzeugt: „Wir müssen für die Geschäftsreisenden nicht mehr nur eine gute Infrastruktur bieten, sondern echte Erlebnisse. Deshalb sollten wir alle daran arbeiten, Bleisure und Workation von einem Zusatzangebot zu einem zentralen Bestandteil von Planungen und Angeboten zu entwickeln.“
Wie gefragt solche Angebote sind und werden, zeigt der Bleisure & Workation Monitor 2026, der erstmals überhaupt einen kompletten Marktüberblick über die Nachfrage- und Angebotsseite beider New-Work-Travel-Formen bietet. Hinter dem Monitor stehen die Professoren Peter Neumann, Sven Pastowski und Claudia Strassburger von der IU Internationalen Hochschule sowie Dr. Andreas Zimmer. Als Forschungsteam befragten sie über 1.000 Geschäftsreisende sowie rund 300 touristische Anbieter und stellten die Resultate im Juni in Mainz vor.
Danach verlängern bereits 44 Prozent aller deutschen Geschäftsreisenden ihre Dienstreise – dies vor allem nach dem Business-Termin bzw. der Tagung/Veranstaltung und im Durchschnitt zwei Nächte lang. 81 Prozent der Bleisure-Reisen finden in Deutschland statt, wobei Ziele und Angebote vor allem über Online-Suchmaschinen, persönliche Empfehlungen und die Website des Reiseziels gefunden werden.

Als Motive für Bleisure nennen die Geschäftsreisenden vor allem das attraktive Reiseziel, Kostenersparnisse und der Besuch der Familie. Das Forscherteam stellte in Mainz unterschiedliche Typologien für Bleisure Reisende vor und betonte, wie sehr Anbieter verschiedene Motive bedienen müssen. Denn das Potenzial bleibt hoch: Starke 59 Prozent planen in den nächsten zwölf Monaten einen Bleisure Trip. Und von jenen, die schon einmal Bleisure unternommen haben, würden 64 Prozent zurückkehren. Bleisure-Reisende kommen damit deutlich häufiger als Geschäftsreisende generell an den Ort ihrer Dienstreise wieder.
Drei Nächte Bleisure im Schnitt
Auch das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) hat kürzlich erstmalig in Kooperation mit der Initiative Blend_it! des GCB German Convention Bureau e. V. (GCB) und Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR), eine repräsentative Befragung unter 3.000 deutschen Geschäftsreisenden zwischen 18 und 74 Jahren zum Thema durchgeführt. Laut dieser – mit noch mehr jüngeren Teilnehmern als beim Bleisure- & Workation Monitor – kombinierten im letzten Jahr sogar zwei Drittel der deutschen Geschäftsreisenden bereits eine Dienstreise mit einem privaten Aufenthalt. Dies gilt vor allem für die jüngeren bis 40 Jahre (über 70 Prozent in ihren Altergruppen) und bis 49-Jährigen mit noch 61 Prozent Anteil. Zwei Drittel waren Männer, 79 Prozent Angestellte und die meisten in mittleren Führungspositionen beschäftigt.
Jeder Zweite und damit die meisten waren dabei auf einer MICE-Reise (MICE: Meetings Incentives Conventions Exhibitions) unterwegs – und blieben zu insgesamt zwei Dritteln auf der Reise auch allein. Das Inland war das wichtigste Reiseziel: 38 Prozent führten nach Deutschland, vor allem nach Berlin, Hamburg und München. Mit unter 9 Prozent folgten Reisen nach Spanien, Italien, Frankreich und die USA.
Der private Teil des Bleisure-Aufenthalts findet in der Regel direkt am Geschäftsreiseziel statt. 61 Prozent blieben 2025 vor Ort, weitere 36 Prozent erkunden die nähere Umgebung. Ebenso selten wird die Unterkunft gewechselt, indem knapp zwei Drittel in der gleichen Unterbringung bleiben. Zwei von drei wählen dabei ein Hotel.
Im Durchschnitt dauerte der berufliche Teil der Reise 4,3 Nächte und der private Teil zusätzlich durchschnittlich 3,1 Nächte.
Pro betrachteter Reise entstanden durchschnittliche Gesamtausgaben von rund 1.642 Euro, wovon etwa 616 Euro für den privaten Teil anfielen und hier wiederum der Großteil von rund 276 Euro für das Hotel. Für Restaurants und Gastronomie werden im Mittel ca. 115 Euro ausgegeben, gefolgt von den Shopping-Ausgaben mit knapp 107 Euro als Mittelwert.
Wenig überraschend nennen die meisten als Motiv für eine Bleisure-Verlängerung „Erholung und Entspannung“, „Abwechslung vom Alltag“ und das „Entdecken neuer Orte“. Auch die Gelegenheit für einen Besuch bei der Familie und/oder Freunden sowie die Möglichkeit, Reisezeit oder -kosten effizienter zu nutzen, spielen eine wichtige Rolle. Generell waren die Befragten der Meinung, dass Bleisure stark bis sehr stark die Arbeitgeberattraktivität steigert (51 Prozent). Noch wichtiger waren ihnen bei der Frage allerdings auch flexible Arbeitszeitmodelle (66 Prozent) und die Möglichkeit von Homeoffice bzw. mobilem Arbeiten (61 Prozent).
76 Prozent der Bleisure-erfahrenen Geschäftsreisenden planen auch 2026 eine entsprechende Reise. Gleichzeitig zeigt sich auch unter den bisherigen Bleisure-Unerfahrenen ein wachsendes Interesse. „Das bietet Destinationen neue Chancen, ihre Gästestruktur zu erweitern, sowohl mit neuen Reisenden als auch mit Wiederkehrenden“, betonen die Studienautoren. Denn 38 Prozent der Bleisure-Reisenden geben an, dass sie (sehr) wahrscheinlich erneut an den Ort ihrer Bleisure-Reise privat zurückkehren würden. Dieser Wert liegt deutlich höher als bei den bisherigen Nicht-Bleisure-Reisenden – hier sind es nur 13 Prozent.
Für Workation an die Küste und aufs Land
Die IU Internationale Hochschule hat in ihrem Monitor auch den Bereich Workation untersucht. Über Workation-Erfahrungen verfügt danach bereits rund eines gutes Fünftel (22 Prozent) der Befragten. Im Durchschnitt dauern ihre Workation-Reisen rund sechs Tage an, vor allem auch über unternehmenseigene Kanäle und Online-Suchmaschinen wird gesucht.
Als Destinationen sind vor allem jene im Fokus, die mit hoher Aufenthaltsqualität und guter digitaler Infrastruktur aufwarten – und dazu gehören bei Workation nicht primär Großstädte. Die meisten (46 Prozent) zog es bisher in die Küstenregionen, gut zwei Drittel in die Großstadt und 30 Prozent in die ländliche Region. „Gerade ländliche Regionen mit hoher Lebensqualität, attraktiven Natur- und Freizeitangeboten und guter Erreichbarkeit bieten Rahmenbedingungen, die für Bleisure- und Workation-Gäste besonders attraktiv sind“, betont das Forschungsteam. Bei Workation stehen dabei noch einmal andere Motive als bei Bleisure im Vordergrund: Lebensqualität, Work-Life-Balance und modernes Arbeiten.
Mainzer Thesen entwickelt
Eine zentrale Erkenntnis aller Ergebnisse: „Die Nachfrage nach Bleisure Travel und Workation entwickelt sich vielerorts schneller als die entsprechenden Angebote“, so Peter Neumann. Denn 77 Prozent der befragten Anbieter haben bisher keine spezifischen Bleisure-Angebote.
Um hier schneller ins Handeln zu kommen, hat das Forschungsteam aus allen Ergebnissen sechs „Mainzer Thesen” entwickelt, die das Potenzial und notwendige Handlungsfelder skizzieren. Sie lauten:
1. Der Markt ist größer als gedacht – und die Nachfrage ist bereits da.
2. Bleisure Travel und Workation funktionieren auch jenseits der Großstädte.
3. Die meisten Destinationen nutzen ihr Potenzial noch nicht.
4. Die Angebotslücke lässt sich oft mit einfachen Mitteln schließen.
5. Destinationsmanagementorganisationen werden gebraucht – treten aber selten als Treiber auf.
6. Bleisure Travel und Workation werden für Unternehmen zu Instrumenten der Fachkräftegewinnung und -bindung.
Gerade der letzte Punkt bedeute, dass Arbeitgeber noch deutlich mehr unternehmensinterne Richtlinien für Bleisure und Workation gestalten müssen. Darüber hinaus sollten auch Wissenschaft und Verbände für mehr Aus- und Weiterbildungsangebote bei Travel Managern und Tourismusprofis sorgen. Mit dieser Professionalität im Rücken können wiederum auch die Destinationen die Angebote sichtbarer machen und mehr Verknüpfungen und Buchungsmöglichkeiten entlang der gesamten Reise schaffen, betont unter anderem Hiskia Wiesner, Leiterin des Leipzig Convention Bureau.
Jens Ihsen, Geschäftsführer der Düsseldorf Tourismus GmbH, sagt: „Wir bieten für Kongressteilnehmer z.B. die Düsseldorf Card Plus mit Angeboten in anderen nordrhein-westfälischen Städten an. Das wird viel genutzt.“ Und Veit Lawrenz, Leiter Themenmanagement Businesstourismus bei Tourismus NRW träumt bereits davon, dass die Bleisure-Reisenden so begeistert sind, dass sie ihren nächsten Workation-Aufenthalt oder gar Urlaub mal nicht an der Küste und in den Bergen unternehmen, sondern mitten in Nordrhein-Westfalen.
Sylvie Konzack …
… ist begeistert von den vielen neuen Zahlen aus der Wissenschaft, die die Nachfrage und die Bedürfnisse auf allen Seiten deutlicher machen. Sie hofft, dass Arbeitgeber wie auch Tourismusanbieter nun noch mehr ins gemeinsame Handeln kommen.
Fotos: © Bleisure & Workation Monitor Deutschland






