„Sieben Airlines, eine Sammelwährung – bei dem Vielfliegerprogramm Avios geht viel in Summe und über Kreuz. Das Hotelprogramm ALL von Accor Hotels macht wiederum mit wenig viel möglich. Zwei komplett verschiedene Logiken.“ Ulf-Gunnar Switalski
Viele Hotelprogramme belohnen vor allem eines: reine Masse an Übernachtungen, gesammelt über viele Jahre hinweg. ALL Accor geht einen anderen Weg und macht für Reisende, die seltener unterwegs sind, schon niedrige Statusstufen attraktiv. Wer hier clever kombiniert, sichert sich schnell VIP-Vorteile im Hotel. Ich nutze ALL Accor selbst seit Jahren und kenne Stärken wie Schwächen.
Mit rund 5.800 Hotels deckt Accor praktisch jedes Preissegment ab: von Ibis bis Raffles. Diese Bandbreite macht ALL zum Alltagsbegleiter genauso wie zum Ziel für den besonderen Luxustrip. Ausgezeichnet wurde das Programm bei den Deutschen Bonus Awards übrigens für die wirklich gelungene App. Schon zehn Nächte reichen für Silver, 30 Nächte für Gold – weniger als bei vielen Wettbewerbern im Markt.
Der Gold-Status lohnt sich dabei richtig: Late Check-out, Upgrades nach Verfügbarkeit, ein Welcome-Drink sowie deutlich mehr Bonuspunkte pro Aufenthalt. Wer nachhelfen will, greift zum kostenpflichtigen ALL Accor + Voyageur (179 Euro/Jahr): Das Abo bringt sofort 20 Statusnächte aufs Konto, dazu 15 Prozent Rabatt auf Aufenthalte in über 30 Hotelmarken weltweit. Kombiniert mit nur wenigen echten Aufenthalten ist Gold damit auch für notorische Wenigschläfer realistisch und schnell erreichbar.
American-Express-Membership-Rewards-Punkte lassen sich im Verhältnis 3:1 zu ALL Accor transferieren. Zusätzlich bekommen Inhaber der American Express Platinum Card den Gold-Status direkt geschenkt, ganz ohne Übernachtung. Besonders reizvoll: Wer sein ALL-Konto mit Flying Blue oder dem Qatar Airways Privilege Club verknüpft, sammelt Punkte einfach beim Fliegen mit, ohne im Hotel zu übernachten. Die Einlösung selbst bleibt herrlich simpel: 1.000 ALL-Punkte entsprechen rund 20 Euro Guthaben beim nächsten Aufenthalt, dazu kommen regelmäßig attraktive Promotions.
Als Fan von ALL Accor finde ich dennoch: Im direkten Vergleich zu World of Hyatt oder Marriott Bonvoy bietet ALL höheren Statusinhabern spürbar weniger exzellente Vorteile. Schade auch: Das beliebte Cashback über Shoop gibt es für Statusinhaber inzwischen nicht mehr. Und bei den vielen Promotions gilt strikt: Wer sich nicht vorab registriert, geht bei der eigentlichen Buchung leer aus.
Unterm Strich überzeugt ALL Accor genau dort, wo es zählt: schneller Status, riesige Markenvielfalt und ein Guthaben-System, das jeder sofort versteht. Wer diese Stärken geschickt nutzt, kommt mit überschaubarem Aufwand zu spürbar mehr Komfort auf Reisen.
Avios: Sieben Programme, eine Währung

Kaum eine Meilenwährung ist so vielseitig wie Avios. Statt sich auf ein einziges Vielfliegerprogramm festzulegen, sammelt man über ein gemeinsamen Punktesystem, das gleich sieben Fluggesellschaften miteinander verbindet. Wer die Zusammenhänge kennt, verschafft sich echte Vorteile beim Sammeln und beim Einlösen von Prämienflügen. Ich selbst bin bei The British Airways Club, Iberia Plus und dem Qatar Airways Privilege Club aktiv – und genau diese Kombination zeigt mir jedes Mal eindrucksvoll, wie mächtig das System sein kann. Neben den genannten drei zählen auch AerClub von Aer Lingus, Vueling Club, Finnair Plus und Loganair Loyalty zur Avios-Familie.
Das Beste daran: Avios lassen sich kostenlos und im Verhältnis 1:1 zwischen den Programmen transferieren, sobald die Konten einmal miteinander verknüpft sind. So nutzt man gezielt die besten Verfügbarkeiten und Preise – denn ein und derselbe Flug kann bei British Airways, Iberia oder Qatar völlig unterschiedlich viele Avios kosten und auch unterschiedlich oft verfügbar sein. Genau dieser freie Transfer ist der Kern der Strategie. Findet man bei Qatar Airways keine passenden Plätze, schaut man einfach bei Iberia oder British Airways nach – und verschiebt seine Avios dorthin, wo sie gerade am meisten wert sind. Dabei lohnt sich der Vergleich gleich doppelt, denn auch die Steuern und Gebühren können sich auf demselben Prämienflug zwischen den Programmen deutlich unterscheiden.
Wichtig zu wissen: Ein Transfer funktioniert nur, wenn der Name des Kontoinhabers identisch ist. Wer also plant, sollte frühzeitig alle relevanten Konten eröffnen, verknüpfen und die Daten sorgfältig abgleichen. Auch beim Punktetransfer von American Express Membership Rewards lohnt sich ein zweiter Blick, denn die Konditionen unterscheiden sich spürbar. Zu The British Airways Club und Iberia Plus transferiert man im Verhältnis 5:4 – zum Qatar Airways Privilege Club dagegen nur im deutlich schlechteren Verhältnis 3:2. Der Trick: Transferiere stattdessen zu British Airways oder Iberia und schiebe die Avios anschließend kostenlos im Verhältnis 1:1 zu Qatar weiter.
Diese kleine Umleitung spart bei jedem größeren Transfer bares Geld – ganz ohne zusätzlichen Aufwand. Wer diese Mechanik einmal verstanden hat, sammelt nicht mehr nur stur Meilen, sondern denkt in Sweet Spots über mehrere Programme hinweg. Genau das macht Avios für mich derzeit zu einer der spannendsten und flexibelsten Währungen im gesamten Vielfliegerkosmos.
Ulf-Gunnar Switalski …

… ist Buchautor, Editor von „Upgrade Guru“, Gründer der Deutschen Bonus Awards
und reist selbst ständig um die Welt. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit
Bonusprogrammen zur Kundenbindung und Loyalty. www.upgradeguru.de
Fotos: istock.com/ Intpro, Stuart Bailey / British Airways www.StuartBaileyPhoto.com



