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Remote Working

Effizient & entspannt in Südkorea

„Kompakt und extrem vielseitig mit exzellenter Infrastruktur für Arbeit und Freizeit – Südkorea hat mich sehr überrascht. Als Workation-Hotspot ist das Land inzwischen
bekannt, aber auch Bleisure Travel geht hier sehr gut.“ Claudia Brüggen

Hochhäuser, Glasfassaden, Großstadtlärm – der Verkehr von Seoul rauscht nach meinem Business-Termin an uns vorbei. Auf der anderen Straßenseite liegt eine andere Welt. Eingerahmt vom blauen Himmel und Berg­panorama erstreckt sich der Gyeongbokgung-Palast. Bei seinem Betreten verstummt der Lärm. Die Enge der Stadt weicht weiten Innenhöfen, flankiert von dunkelroten Holzfassaden, Balken mit bunten Mustern und geschwungenen Hanok-Dächern. Über 500 Jahre lang regierte die Joseon-Dynastie von den Palästen Seouls aus das Land.

Gyeongbokgung Palace during cloudy summer day. With people walking through a gate to enter Palace.

Zurück auf der Straße holt uns die Gegenwart ein. Vor den Palasttoren entsteht seit Tagen eine Bühne der Superla­tive. Unsere Reise fällt ausgerechnet in die Woche des BTS-Comebacks. Vier Jahre stand die erfolgreichste K-Pop-Band der Welt nicht mehr auf der Bühne, sodass das Ereignis weit über die Musik hinausgeht. Der Effekt der Band für die südkoreanische Wirtschaft wird auf ca. 4 bis 5 Mrd. US-Dollar jährlich geschätzt. K-Beauty, K-Pop, K-Food, K-Drama – kaum ein Land versteht es so konsequent wie Süd­korea, Kultur global zu exportieren und ökonomisch zu nutzen.
Zeit, tiefer in diese Welt einzutauchen.

Myeongdong in Seoul

Perfekte Infrastruktur zum Arbeiten

Mit jedem weiteren Tag meiner Südkorea-Rundreise wird mir bewusster, wie sehr ich das Land als Bleisure-Destination unterschätzt habe. Workation wird hier bereits ein Stück weit beworben, aber auch als Bleisure-Hotspot bietet das Land perfekte Voraussetzungen – vom flächendeckenden Highspeed-WIFI über Hotelzimmer mit durchdachten Arbeitsplätzen bis hin zu Hochgeschwindigkeitszügen, die mich in nur 2,5 Stunden ans andere Ende des Landes bringen. Die Basis dafür liegt in der koreanischen Arbeitskultur selbst. Geschäftsreisen sind Alltag, entsprechend gut ist die Infrastruktur darauf abgestimmt. Selbst Airbnbs sind hier oft geräumiger, besser ausgestattet und preisgünstiger als im Vergleich zu Europa. Hinzu kommt die Geografie Südkoreas: ein kompaktes, dicht besiedeltes Land, in dem Berge, Meer, Städte und kulturelle Highlights in kurzer Zeit leicht erreichbar sind.

Gamcheon Culture Village cityscape with colorful houses and buildings stacked on a steep hillside, creating a vibrant scene

„Hast Du schon gegessen?”

Ediya Coffee, Starbucks, Tom N Toms Coffee: Gemessen an der Zahl der Coffeeshops sollte das Land auf einem Dauerkoffein-Hoch schweben. Die großen Ketten eignen sich auch gut zum Arbeiten. Anders die kleinen Cafés: Sie sind mehr Bühne als Büro, durchgestylt und mit Süßigkeiten-Kreationen, die fast zu schön zum Essen sind.

Dass Südkorea zu den weltweit führenden Kaffeekonsum-Ländern gehört, passt zum Alltag, der oft von Tempo und Leistungsdruck geprägt ist. Auch im Stadtbild: zeigt sich, dass Bänke ebenso rar wie Mülleimer sind – alles ist ständig in Bewegung.

Seoul Nightlife Street food Local restaurant with people Local restaurant front shop with people

Einer der wenigen Momente, in denen sich die Welt hier langsamer dreht, ist beim gemeinsamen Essen. „Hast du schon gegessen?“, ist in Südkorea auch eine fürsorgliche Begrüßung. Die Restaurantdichte im Land ist vermutlich noch höher als die der Cafés. Kurzum, für einen Foodie wie mich ist das wie Disneyland, nur besser. Banchan, also die Beilagen, lassen mein Herz höherschlagen. Sie kommen in kleinen Schälchen, der Tisch ist vor lauter Essen oft kaum noch zu sehen, Gratis-Nachfüllen inklusive. Ohne Kimchi, fermentierten Kohl, geht in der koreanischen Küche zu Recht nichts. Das Fleisch ist in der Regel butterzart, ob gegrillt, in der Suppe wie Dwaeji-gukbap oder angebraten wie Bulgogi. Mandu, knusprige oder gedämpfte Teigtaschen, sind für mich auch ein Muss. Besonders am Abend ist Chimaek sehr beliebt – frittiertes Hähnchen und dazu ein Bier. Beliebter als Bier zum Essen ist Soju, ein klarer Reisschnaps – und im gewissen Sinne auch Teil der Arbeitskultur. Denn nach der Arbeit mit Kollegen und dem Chef essen zu gehen, gilt hier quasi als Teambuilding-Event und heißt Hwesik. Nicht selten wird dabei zu tief ins Glas geschaut, denn wenn der Chef nachschenkt, sagt man nicht Nein.

Von der U-Bahn auf den Gipfel

Wir lassen die grelle Neonreklame und den Straßenlärm hinter uns, bis uns nur noch eine angenehme Brise um die Nase weht. Oben angekommen erwartet uns eine 360-Grad-Aussicht über die Skyline von Seoul. Denn Seoul ist nicht nur von Bergen umgeben, sondern hat sie mit Namsan, Inwangsan, Ansan und Co. mitten in der Stadt – quasi von der U-Bahn-Station direkt auf den Gipfel. Sehr entspannt ist die Namsan-Seilbahn hinauf zum N Seoul Tower. Mehr Natur bietet der Ansan Jarak-gil Trail. Sehr anspruchsvolle Wanderwege finden sich vor den Stadttoren im Bukhansan-Nationalpark.
Ich liebe die Ruhe, aber vor allem, dass ich jeden Tag zwischen Ruhe und Gewusel wählen kann. In Seoul endet der Tag nicht nach der Arbeit, sondern fängt irgendwie gerade erst an. Ob Late-Night-­Shopping in Myeong-dong, internationale Vibes in Itaewon oder das Uni-Viertel Hongdae mit seiner Indie-Musikszene – jede Nachbarschaft hat ihre eigenen Highlights.

Busan – Meer sehen

Am nächsten Tag geht es Richtung Süden ans Meer. In rund 2,5 Stunden sind wir mit dem Schnellzug am anderen Ende des Landes in Busan. Die 3,3 Mio. Einwohner zählende Stadt ist klein im Vergleich zu Seoul. Wir verbringen unseren ersten Tag im weniger bekannten ­Huinnyeoul Culture Village. Ursprünglich ein Zufluchtsort für Vertriebene des Koreakriegs, reihen sich heute hier Künstlerateliers und Cafés mit Meerblick aneinander. Auf einer Anhöhe über den Wellen blicken die weiß und bunt getünchten Häuser auf den Ozean und die Skyline von Busan – und versprühen fast griechische Insel-Vibes. Ich bin sofort verliebt und könnte Stunden auf einer der Terrassen der vielen Cafés verbringen und die Aussicht genießen. Einziger Nachteil von Busan: Die Stadt erstreckt sich weit entlang der Küste. Heißt: Es lohnt sich, vorher gut zu überlegen, in welchem Stadtteil man die meiste Zeit verbringen will, denn je nach Strecke können Fahrten in andere Viertel schnell ein, zwei Stunden dauern. Die Stadtteile selbst könnten übrigens kaum kontrastreicher sein. Die Strände rund um Gwangalli und Haeundae verbreiten Florida-Stimmung, daneben moderne Hochhauslandschaften – fast nirgendwo im Land ist die Atmosphäre so international wie hier.

Gamcheon Culture Village cityscape with colorful houses and buildings stacked on a steep hillside, creating a vibrant scene
Landscape view of Haeundae beach in Busan, South Korea.

Im starken Kontrast dazu steht das Gamcheon Culture Village, ein ehemaliges Armenviertel, dessen kleine, farbige Häuser sich wie ein Mosaik den Hang hinaufziehen. Es ist sehr instagrammable, aber mir, zumindest auf den Hauptstraßen, eindeutig zu überlaufen. Dazwischen liegt Nampo mit schmalen Gassen, Streetfood-Ständen und rauen Hafenvibes – mittendrin der Jagalchi Market, der größte Fischmarkt des Landes, an dem es erstaunlicherweise kaum nach Fisch riecht. Auf mich wirkt es mehr wie ein gigantisches Aquarium, denn viele Fische schwimmen hier in kleinen Tanks.
Weiter geht es über die Brücke auf die Insel Yeongdo, die mit ihren idyllischen Küstenwanderwegen zu den schönsten Naherholungsgebieten Busans zählt. Hier befindet sich auch das Hyuil X Desker Workation Center, mit Blick aufs Meer und der Skyline Busans. Wer seine Workation in Südkorea planen möchte, findet auf der Plattform The Hyuil eine Übersicht über Co-Working-Spaces und passende Unterkünfte im Land. Speziell für Busan bündelt “Busaness” alle nützlichen Infos zum Thema Workation.

Für mich ist auch hier klar, dass ich bald wieder­kommen muss.

Claudia Brüggen …

… reist und arbeitet remote als Journalistin und Illustratorin seit acht Jahren durch die Welt.
Der koreanische Weg zu Arbeiten und zu Leben hat sie sehr beeindruckt.

 

Bleisure Tips

Seoul: Paläste Gyeongbokgung und Changdeokgung, National Museum von Korea (eines der größten der Welt)

Food & Shopping: Gwangjang Market – über 5.000 Läden und Food-Stände

Gyeongju: 30 Min. mit dem Schnellzug von Busan – ehemalige Hauptstadt des Sillareiches, gilt als Museum ohne Mauern, die Innenstadt ist durchzogen von mehr als 200 Hügelgräbern,
manche mit über 20 m Höhe, kulturelle Einrichtungen sind im Land oft gratis oder sehr günstig

Busan: Die Songdo Cable Car schwebt über das Meer – einmalige Aussicht, Küstentempel Haedong Yonggungsa

Suncheon Bay Wetlands: imposantes Feuchtgebiet und Heimat für viele Zugvögel – Wandern mit Städtetrip nach Suncheon verbinden

Info Destination

Südkorea lebt vom Mix aus hochmodernen Städten, Tempeln, Fischerdörfern, subtropischen Inseln und einer weitgehend
grünen, hügeligen Landschaft.

Lage und Einwohner: in Ostasien auf der südlichen Hälfte der Koreanischen Halbinsel, 52 Mio. Einwohner, eines der
bevölkerungsreichsten Länder der Erde

Währung: 1.000 Südkoreanischer Won = 0,61 Euro

Anreise nach Seoul: mit Lufthansa z. B. von München direkt nach Seoul, weitere Airlines wie Turkish Airlines und Qatar Airways mit Stop

Navigation: wegen eingeschränkter Google-Maps-Funktionalität sind Naver Map und KakaoMap die aktuellen Standards, 2026 wurde die Nutzung hochpräziser Kartendaten für Google genehmigt, somit ist eine deutliche Verbesserung absehbar

ÖPNV & Bezahlung: wiederaufladbare T-Money-Karte ist Standard für Bus, U-Bahn und Taxis

Fotos:© Claudia Brüggen, iStock.com/Mantas Volungevicius, istock/Alberto Marrupe Gutierrez, istock/ Marco_Piunti, istock/ AP Tolangistock, istock/ VTT Studio