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Ayurveda & Arbeit – geht das zusammen?

“18 Tage Ayurveda-Kur in Sri Lanka und nebenher arbeiten? Klingt ungefähr so konsequent wie Digital Detox mit Laptop und zwei Smartphones. Ich habe es trotzdem ausprobiert.” Christoph Schneider, Medienmanager

Jahrtausendealte Heilkunst, Yoga, Ölmassagen und die Erkenntnis, dass Körper und Geist dringend einmal zur Ruhe kommen sollten. Auf der anderen Seite Laptop, Teams-Calls, WhatsApp und die Mail, die natürlich unbedingt noch heute beantwortet werden muss. Kann man das zusammenbringen?

Mein 18-tägiges Versuchslabor liegt an der Südküste Sri Lankas, in Weligama. Das Barberyn Waves Ayurveda Resort befindet sich oberhalb des Indischen Ozeans, umgeben von tropischem Grün und ayurvedischen Heilpflanzen. Es gibt ein großes Ayurveda Medical Centre, einen Yoga- und Meditationspavillon, einen 30-Meter-Pool mit herrlichem Meerblick sowie ein Gym mit guten Geräten. Und es gibt WIFI. Allerdings ganz bewusst nicht überall.

Auf dem Zimmer und an der Rezeption funktioniert es perfekt mit hoher Bandbreite, dagegen am Pool, in den Lobbys und im Restaurant nicht. Barberyn möchte offenbar verhindern, dass im Restaurant oder den Räumen, wo man sich entspannen soll, gearbeitet oder telefoniert wird.
Ich habe mir einfach einen Datenpass (12 GB für 16 Euro) gekauft. Für „Notfälle“ bin ich damit überall online. Gearbeitet wird aber ausschließlich im Zimmer – und bei diesem Arbeitsplatz ist das nun wirklich kein Problem.

Swimming Morning: Pool of Barberyn Waves.

6 Uhr – der Tag beginnt

Das Gute an Sri Lanka ist: Man wird früh wach. Sehr früh. Die Vögel sind wach, die Sonne ist wach, das Meer ist wach – also stehe ich gegen 6 Uhr auf. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Die vernünftige Variante heißt Yoga. Barberyn bietet morgens Yoga an, und eigentlich gehört es fest zum Ayurveda-Programm. Die andere Variante ist für Menschen wie mich, deren Begeisterung für den Sonnengruß gewissen Tagesschwankungen unterliegt: Schwimmen. Also Badehose an und ab in den 30-Meter-Pool. 20 Minuten Bahnen ziehen, während der Tag über dem Indischen Ozean beginnt. Es gibt schlechtere Arten, einen Arbeitstag zu beginnen. Danach duschen und Frühstück.

Und jetzt beginnt mein eigentliches Experiment.

Das vielleicht schönste Büro der Welt

Gegen 8 Uhr klappe ich den Laptop auf. Und spätestens hier hat Barberyn Waves einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber meinem normalen Arbeitsplatz: Die Zimmer sind groß und wunderschön, mit einem spektakulären Blick auf den Indischen Ozean. Ich öffne die Flügeltüren, setze mich an meinen Schreibtisch und schaue beim Arbeiten aufs Meer. Kein künstlicher Zoom-Hintergrund. Keine Fototapete. Das Meer ist tatsächlich da. Ich kenne wenige Orte auf der Welt, an denen ich lieber drei Stunden konzentriert arbeiten würde. Mails beantworten, Telefonate, Konzepte – was eben anfällt.

Und erstaunlicherweise funktioniert das hervorragend, vielleicht sogar besser als zu Hause. Und vor allem die Gewissheit: Um 11, spätestens 12 Uhr ist Schluss. Das verändert erstaunlich viel. Drei konzentrierte Stunden können produktiver sein als acht Stunden Büro, in denen man zwischendurch ungefähr 37-mal aufs Handy schaut, von Meeting zu Meeting rennt, Kaffee holt und sich fragt, was man eigentlich gerade machen wollte.
Die Zeitverschiebung nach Europa hilft dabei. Während Deutschland noch schläft oder gerade langsam hochfährt, habe ich meine wichtigsten Dinge bereits erledigt. Und dann kommt die wichtigste Regel meines Experiments:

Laptop zu.

Nicht „nur noch schnell“. Nicht „ich muss nur noch diese Mail“. Zu. Denn jetzt beginnt Ayurveda!

Ayurveda Resort Barberyn Waves

Nun übernimmt der Doktor

Barberyn ist kein Wellnesshotel mit ein bisschen Ayurveda als Zusatzprogramm. Wer hierher kommt, macht eine richtige Ayurveda-Kur. Am Anfang steht eine ausführliche Untersuchung durch einen Ayurveda-Arzt. Danach wird ein individuelles Behandlungsprogramm zusammengestellt. Und das hat es durchaus in sich.

Nach dem Mittagessen beginnen die Treatments. Ölmassagen, Kopf- und Gesichtsbehandlungen, Kräuterbäder, Dampfbäder und je nach Verordnung weitere Anwendungen. Drei Stunden sind schnell vorbei. Mit Zusatzbehandlungen können daraus auch vier werden. Dazu gehört zum Beispiel Shirodhara, eine der wohl bekanntesten Ayurveda-Anwendungen: Über längere Zeit läuft ein gleichmäßiger Strahl warmen Öls über die Stirn. Klingt ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Weile versteht man, warum niemand direkt danach den Laptop aufklappt und denkt: Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, die Quartalszahlen durchzugehen. Man liegt. Man liest. Man schaut aufs Meer.
Oder man macht etwas, das mir normalerweise erstaunlich schwerfällt: nichts.

Baden! Dann bitte vorher

Eine wichtige Lektion lernt man ebenfalls ziemlich schnell. Wer schwimmen möchte, sollte das vor den Treatments erledigen. Nach den Anwendungen soll das Öl seine Wirkung entfalten; Meer und Pool sind dann für den Tag tabu. Noch ein Argument für meinen Tagesplan. Morgens schwimmen. Vormittags arbeiten. Nachmittags Ayurveda. Eigentlich erstaunlich einfach.

Genau darin liegt für mich der Trick. Remote Work verführt dazu, theoretisch immer arbeiten zu können. Laptop auf – und schon ist Büro. Ayurveda funktioniert genau andersherum. Die Behandlungen, das Essen, die Ruhephasen, Yoga und Meditation gehören zusammen. Der Körper soll herunterfahren.
Deshalb funktioniert die Kombination nur mit einer klaren Grenze:

Der Vormittag gehört der Arbeit, der Nachmittag Ayurveda.

Kein Call um 16 Uhr. Keine Präsentation nach der Ölmassage. Und möglichst keine Diskussion über Budgets, während einem noch das Ayurveda-Öl aus den Haaren läuft. Der Indische Ozean übernimmt das Programm.

Und abends?

Nach den Treatments bleibt nicht mehr viel zu tun. Und genau das ist der Sinn der Sache: Lesen. Schlafen. Aufs Meer schauen. Vielleicht spazieren gehen.
Nach dem Abendessen lese ich meistens noch. Manchmal kontrolliere ich kurz meine Mails, aber das war’s dann auch. Gegen 10 Uhr ist meistens Schluss. Um 6 Uhr beginnt der nächste Tag.

Sunset activities: beach, sea, no laptop.

Ich habe 18 Tage im Barberyn Waves verbracht. Das klingt zunächst lang, vor allem für Menschen, die normalerweise schon nach vier Tagen Urlaub nervös werden, weil sie glauben, irgendwo könnte gerade etwas Wichtiges passieren. Aber genau darin liegt für mich ein wesentlicher Punkt einer Ayurveda-Kur.

Eine Woche würde ich persönlich gar nicht erst anfangen. In den ersten Tagen muss man überhaupt erst einmal ankommen. Der Körper gewöhnt sich an den neuen Rhythmus, an die Behandlungen, an das andere Essen – und der Kopf daran, dass nicht jede freie Minute sofort wieder mit irgendeiner Aktivität gefüllt werden muss. Erst dann beginnt das eigentliche Runterkommen.

Für mich wären deshalb zwei Wochen das Minimum, drei Wochen das Ideal. Und genau hier hilft paradoxerweise mein kleines Arbeitsfenster am Vormittag. So muss ich nicht 18 Tage vollständig aus meinem normalen Leben verschwinden. Ich kann wichtige Dinge erledigen, erreichbar bleiben und trotzdem den größten Teil des Tages konsequent der Kur überlassen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum das Modell für mich funktioniert.

Mein Fazit

Ayurveda und Remote Work passen zusammen. Aber nur, wenn man nicht versucht, einen normalen Arbeitstag unter Palmen zu verlegen. Drei konzentrierte Stunden am Vormittag funktionieren dagegen hervorragend. Und einen besseren Arbeitsplatz als den Schreibtisch im Barberyn Waves mit offenen Flügeltüren und Blick über den Indischen Ozean muss man erst einmal finden. Danach übernimmt Ayurveda.

Und was haben die 18 Tage gebracht? Als ich nach Hause kam, fühlte ich mich tatsächlich entgiftet: 18 Tage kein Alkohol, mehr oder weniger vegan gegessen, jeden Tag Ayurveda, viel Schlaf, Bewegung und vor allem sehr wenig von dem, was zu Hause normalerweise den Tag bestimmt. Ob mein Körper dabei wirklich sämtliche Schlacken losgeworden ist, überlasse ich lieber den Ayurveda-Ärzten. Sicher weiß ich nur eines: Ich war so entspannt wie schon lange nicht mehr. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser 18 Tage. Man muss nicht komplett aus dem Berufsleben verschwinden, um wirklich herunterzukommen. Aber man muss der Arbeit eine Grenze setzen. Meine Erkenntnis nach 18 Tagen: Der Laptop darf mit zur Ayurveda-Kur. Er muss nur wissen, wann Feierabend ist.


Christoph Schneider …

… ist Medienmanager aus München. Seit 30 Jahren ist er für Verlage und TV-Sender tätig, zuletzt 14 Jahre als Geschäftsführer von Amazon Prime Video. Momentan verbringt er viel Zeit mit ausgiebigem Reisen rund um den Globus. Der Laptop ist immer dabei.

Fotos: © Schneider

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