We did it again und arbeiteten auf See – diesmal zwischen Tahiti und Bora Bora beim Workation-Segeln auf der Teamspirit sowie als Kreuzfahrt-Kontrast auf dem Mittelmeer auf der Crystal. Wieder machten wir zwei komplett andere Workation-Erfahrungen. Sylvie Konzack und Kai Böcking
Genau vor einem Jahr hatte alles in Barcelona begonnen (ich berichtete). Die Teamspirit startete ihre Weltumsegelung, und zusammen mit sechs Glücksrittern bestieg ich den Katamaran für die allererste Woche. Die Idee der Weltumseglung: mit verschiedenen Crews den „Ausstieg auf Zeit“ suchen, dabei an eigenen oder gemeinsamen -Projekten arbeiten oder nur Urlaub erleben.

Wir stachen im Oktober 2024 in raue See, mit viel Speed und nervösem Magen. Es folgten zwei tolle Crew-Tage in Valencia und das absolute Glücks-segeln entlang der Küste nach Alicante, von wo mein Flieger zurück nach Hause ging. Ich arbeitete nur phasenweise während dieser Woche am Laptop und genoss es, mit viel Wind, Wellen und großer Freiheit um die Nase, Themen anders und neu zu durchdenken. Die Teamspirit segelte anschließend mit wechselnden Teams über den Atlantik in die Karibik und durch den Panamakanal gen Südsee – dem Ziel von Skipper Christoph bei seinem „Once in a lifetime“-Abenteuer. Gerade geht er wieder seinem normalen Business in Deutschland nach.

Die Kapitänsmütze setzte im Juni 2025 dann Michael auf, um mit wechselnden Crews weiter in Französisch-Polynesien zu segeln. Schon vor zehn Jahren hatte er sich mit der Polaris, einer Hanse 47, den Traum von der Weltumsegelung erfüllt. Schon damals war die Hochseeyacht oft sein Büro mit Satellitentelefon, UKW und WIFI-Netzen für den Austausch mit seiner Teambuildingfirma, der Teamgeist AG nahe Berlin. Als er zurückkam, baute er voller Inspiration mit seiner Frau Isabel neben seiner Segelschule das 360° by Teamgeist. Das Resort am See bietet Apartments und Flächen für Offsite-Team–Meetings und mehrtägige Strategie-Workshops – ein überregionales Vorzeigeobjekt, das seit Sommer 2024 offen steht.

Nun segelt Michael vier Monate entlang der Gesellschaftsinseln und hat teilweise das Team des 360° Resorts mit an Bord. „Komm doch wieder mit”, ruft er mir zu. Und ich sage mir irgendwann: „Ok, once in a lifetime”, und buche vier Wochen vorher den Flug für zehn Tage Südsee. Im Oktober 2025 fliege ich von München über San Francisco nach Papeete auf Tahiti und noch einmal mit dem Inselflieger nach Bora Bora, wo ich endlich die Teamspirit besteige. An Bord sind bereits auch Isabel und Tina vom 360°, die hier tagsüber arbeiten und am Tisch out of the box Jahresstrategien für das Resort entwickeln.

Tina schickt zudem Angebote heraus, führt Calls mit Kunden 5 Uhr morgens oder 22 Uhr abends wegen der zwölf Stunden Zeitverschiebung. „Das geht gut, erfordert aber auch viel Disziplin“, sagt sie. Entscheidend sei die Fokussierung mit Tageszielen, so könne sie auf dieser Workation tatsächlich mit ihrer Chefin viel schneller Entscheidungen treffen als zu Hause. „Und das generelle Warum der beiden Gründer ist mir hier noch einmal klarer geworden“, betont sie.
Für Tina ist der dreiwöchige Segeltörn mehr Arbeit als Urlaub, für die zwei Einzelreisenden und ein Paar an Bord geht es dagegen nur um Urlaub, vier Wochen lang. „Alle an Bord kenne ich. Viele sind auch sechs Wochen hier, manche zeitweise mit Kindern. Einige bringen Projektideen im Kopf mit, die sie an Bord in Ruhe weiterspinnen. Eine Künstlerin malte und lernte Ukulele spielen“, erzählt Michael. Mit den wechselnden Crews entstehe immer eine andere Dynamik. Und ja: Manchmal prallen auch Welten aufeinander, zwischen denen, die arbeiten müssen und denen, die einfach Urlaub machen wollen. Das merke auch ich an Bord.
Jeder kann sein Ding machen, aber man will auch Rücksicht aufeinander nehmen. Das große Wir an Bord bleibt trotzdem, denn es wird viel miteinander gekocht, gelacht, in der Mittagspause ins offene blaue Meer gesprungen, und am Abend werden zusammen Filme auf der Leinwand an Deck geschaut. Auch bei den vielen Ausflügen geht es um viel Spaß und Miteinander, sei es beim Tauchen im Meer, Umrunden von Bora Bora mit dem Fahrrad, Wandern auf Moorea, beim Erleben der Wasserfälle von Tahiti oder beim Besuch von Perlenmuseen etc. Französisch–Polynesien bietet unzählige Naturerlebnisse zusammen mit katalogweißen, fast überall zugänglichen Stränden.

Wuselig wird es primär in der Hauptstadt Papeete mit tausenden Mopeds und allen Verwaltungsgebäuden von der Universität bis zu den Krankenhäusern. Hier wie auf den vielen kleinen Inseln, alle mit 1A-Infrastruktur, ist zugleich der French Lifestyle mit Baguettes als Grundnahrungsmittel und Patisserien an jeder Ecke allgegenwärtig. Formell gilt: Französisch-Polynesien ist nicht Teil der EU, die Bürger sind aber französische Staatsbürger und damit auch Unionsbürger. Am Flughafen konnte ich mich bei meiner Ankunft entsprechend an die schnelle EU-Lane stellen. So crazy! Aber natürlich begeistert noch mehr die polynesische Sonnenscheinmentalität mit viel Musik, tausenden Farben und duftenden Blumen überall. Beinah jede Frau, ob Taxifahrerin oder Polizistin, trägt Blumen im Haar. Beim Gottesdienst wird in Flip Flops getanzt, die Musik mit Muscheln geblasen. Großartig!

Ich beobachte während meiner Zeit hier die Szenerien mehr als dass ich am Laptop arbeite. Es ist zugleich spannend zu sehen, wieviel Routine Michael in sein Bordleben gebracht hat und von hier aus selbst Wasserschäden zuhause in Deutschland managt. „Unsere Starlink-Flatrate macht es möglich”, lacht er. Es gab wohl Momente, in denen er nicht mehr zurückwollte, auch weil das Leben hier so weit weg von den kleinen und großen Weltnachrichten ist und so viel relativiert. Seit November ist er wieder in Deutschland und plant schon mit der Teamspirit Neuseeland.

Kai Böcking: Crystal clear!

Vor gut einem Jahr habe ich mich davon überzeugen lassen, dass Kreuzfahrten cool sein können und sich für Remote Work eignen. Ich war auf einem neuen italienischen Schiff mit Top-Internet, Ruhe zum Arbeiten und klasse Service. Also, auf zu Runde zwei:
Ich sitze im Hafen von Palermo/Sizilien auf meiner Kabinen-Terrasse, vor mir ein Frühstück und mein aufgeschlagener Laptop. Kurzer Blick auf die andere Seite des Piers, wo sich eine gewaltige Wand auftut: ein Kreuzfahrtschiff mit, wie ich schnell recherchiere, 7.500 Passagieren. Ein Monster! Unzählige Kabinen nah beieinander, obendrauf ein Wasserpark und eine Art Achterbahn – für mich ganz sicher kein Ort für entspanntes Remote Working.

Die Crystal Symphony, die ich mir diesmal und stattdessen ausgesucht habe, verspricht mit rund 600 Passagieren eine schöne, spannende wie arbeitsintensive Zeit, auf dem Weg von Tunis nach Barcelona. Nach der Übernahme 2022 durch die A&K Travel Group wurden die Symphony und ihr Schwesterschiff Serenity komplett überholt und entkernt, die Kabinen vergrößert. Das Ergebnis: Weniger Kabinen, weniger Gäste = mehr Platz. „Übrig” geblieben ist ein überschaubarer Luxus-Rückzugsort: 240 Meter lang mit 310 Kabinen (fast 150 Kabinen weniger). Und für mich das Wichtigste: Internet-Connection inklusive, wie fast alles auf dem Schiff – all-in auf einem entspannten Niveau.

Die sonst so beliebte Bordunterhaltung hält sich in Grenzen (eigenes Kino, Kapitäns-Dinner, leise Musik am Pool). Die Mitreisenden wollen ebenso wenig zu Mitmach-Spielchen animiert werden wie ich, und in den Kabinen herrscht sowieso eine 24-Stunden–Entspannungsgarantie, dank privatem Butler-Service. Meine Sapphire-Suite liegt flächenmäßig in der Mitte des Suite-Angebots. Wohnraum, Schlafzimmer, Bad, Ankleideraum und Veranda – hell, nicht überdesignt, bequem. Es gibt einen extra Tisch zum Arbeiten, Lademöglichkeiten in allen Räumen und natürlich WIFI, das auch auf der Veranda funktioniert.


Beim Frühstück nutze ich den Roomservice. Der kommt pünktlich inklusive schaumigem Cappuccino. Auch auf der Symphonie gilt: Kreuzfahrten sind der natürliche Feind aller Diäten – wenn man denn will. Das Restaurant-Netz auf dem Schiff ist eng geflochten, und was mich normalerweise von Kreuzfahrten fernhält, wird auf der Crystal nur in kleinen Dosen verabreicht – Buffets. Einzig im Marketplace-Restaurant darf/muss man selbst ab und zu Vorlegebesteck greifen. Ansonsten wird auf Live-Cooking und À-la-carte-Restaurants gesetzt. Besonders spektakulär: das einzige Restaurant auf See vom japanischen Food–Guru Nobu Matsuhisa, das Umi Uma. Insgesamt finden an Bord zehn Restaurant-Optionen jeden Geschmack.
Fazit:
Die Crystal ist eine bemerkenswerte Kombination aus Kreuzfahrt-Traditionen wie Afternoon-Tea mit Tanz, Wasserfall in der Lobby, Juwelier-Shop, Busausflüge und modernem Anspruch auchfür die nächste Generation der Gäste. Wer auf dem Schiff arbeiten möchte, kann das jederzeit. Das Internet funktioniert quer über das Mittelmeer von Tunis nach Barcelona. Es gibt kein „Loch“ in der WIFI-Verbindung, weder am Pool noch in einer der vielen ruhigen Lounges und Cafés, die konzentriertes Arbeiten und auch Calls außerhalb der eigenen Kabine möglich machen.
Wird Kreuzfahrt nun cool? Zumindest werden Angebote wie die Crystal in Zukunft sicher viele Nachahmer finden. Mein Tipp, für alle die wirklich auf einer Kreuzfahrt arbeiten wollen (oder müssen): -Kleiner und feiner ist die bessere Wahl.
Kai Böcking & Sylvie Konzack …
… haben beide seit ihrer Work@Sea-Premiere vor gut einem Jahr noch einmal einen deutlichen Sprung bei technischen Themen wie WIFI erlebt. So verschieden wieder ihre Workation-Erfahrungen waren, allmählich werden sie Fans ihrer jeweiligen Work@Sea-Abenteuer.
info teamspirit
Seit Oktober 2024 ist die Teamspirit, ein Katamaran Lagoon 42, für die Teamgeist AG auf den Weltmeeren unterwegs. Nach dem Start in Barcelona segelte sie auf die Kanaren, über den Atlantik in die Karibik und durch den Panamakanal in die Südsee, wo sie aktuell vor Ort weitere Touren unternimmt. 2026 sind u.a. die Cook-Inseln geplant, 2027 Neuseeland. Die Crew wechselt alle drei bis sechs Wochen. „Wir nehmen Menschen mit, für die Zeit, Gemeinschaft, Natur, Freiheit und Abenteuer entscheidende Werte sind“, heißt es. Infos zum Mitsegeln und Routen unter go-for-teamspirit.com.
info crystal
Crystal Cruises betreibt momentan zwei Schiffe, die weltweit diverse Routen befahren – im Sommer liegt der Fokus auf Nord- und Südeuropa. Die Suiten sind 20 bis 87 Quadratmeter groß, die meisten mit eigener Veranda. Bis auf die Landausflüge, das Spa und einige Spirituosen ist alles inklusive. Die 16 Restaurants und Bars bieten vom italienischen Fine-Dining bis zur englischen Bar alles. Die Sportmöglichkeiten reichen vom Padel-Tennis bis 24-Stunden-Workout. WIFI steht in allen Bereichen kostenfrei bereit und funktioniert auch auf See.
Fotos: © Hentzelt, Konzack, Böcking, Crystal




