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¡Hola Cuba!

„Kann man auf Karibik­inseln wirklich arbeiten?
Bei Havanna denken Business Traveller wohl eher an die ­Auszeit mit Rum, Salsa und gelebtem ­Sozialismus samt Patina ­besserer Zeiten. Doch Business und Leisure geht auf Kuba – und lohnt sich.“ Kai Böcking

Ich arbeite überall auf der Welt remote. Ob Europa, Dubai, Südafrika., immer mit der Hoffnung auf ein funktionierendes WLAN vor Ort. Kuba war mir als Remote-Work-Ziel für eine TV-Produktion in den Schoß gefallen. Doch ich musste auch an anderen Projekten in Deutschland weiterarbeiten – also ist Arbeiten von Kuba aus angesagt.
Es ist momentan nicht so einfach, auf die Insel zu kommen. Es gibt Flüge über Madrid, einige Charter-Vebindungen aus Europa und wieder mehr Flüge aus Kanada und den USA. Wer also in Toronto oder Miami zu tun hat, kann relativ schnell im Paradies sein.

Als ich einreise, kaufe ich gleich eine Handy-SIM-­Karte für nur 10 Euro und mit solider 4-GB-Verbindung. So teuer Roaminggebühren oft sind, kann man in diesem Fall den Sozialismus mal loben.
Probleme bereitet die richtige Währung. Mit der Abschaffung des Pesos, mit dem die Kubaner so lang geknechtet wurden, trat 2021 der CUP in Kraft. Früher die Währung für Touristen, gilt sie heute für alle. Nur, so richtig will sie keiner! Kanadischer Dollar, US-Dollar und der Euro sind einfacher einzulösen. Warum? Weil in Kuba der CUP nicht zum Einkauf all der iPhones, Kleidung und sonstiger Luxusartikel zugelassen ist. Also bunkert jeder Kubaner das „Gringo Money“, um sich etwas leisten zu können. In einer Strandbar, 600 km von Havanna entfernt, soll ich zum Beispiel für einen Mojito 4 Kanadische Dollar zahlen. Doch keine dabei, also zahle ich 8 Dollar in CUP. Inflation eben! Verwirrend auch das Spiel mit den Kreditkarten: In den guten Hotels werden NUR Kreditkarten akzeptiert. ­In den privaten Restaurants: not possible! Wer das echte Kuba erleben will, sollte also Dollars immer dabei haben.

Buena Vista vom Kempinski La Manzana in Havanna – and Remote Work.

Großartiges Havanna

Remote Work really remote: Kai Böcking at Kempinksi Cayo Guillermo Resort Cuba

Havanna, oder besser La Habana, mit geschätzten 2,1 Millionen Einwohnern ist die größte Stadt Kubas. Doch Touristen landen hier meist nicht oder „nur“ auf dem Weg ins All-Inclusive-Ghetto „Varadero“. Und das ist schade, denn Havanna ist zwar – wie der Rest des Landes – arm und es fehlt an allem, aber es ist eine großartige Stadt mit Flair und Patina.

Neben einigen spanischen Hotelketten, betreibt die Nobelmarke Kempinski mittlerweile drei Hotels auf der Insel. Ihr Flagship ist das Gran Hotel Manzana Kempinski La Habana in einem früheren historischen Einkaufszentrum. Zudem betreibt Kempinski das Boutique Hotel Gran Hotel Bristol und – ca. 600 km entfernt – das Kempinski Cayo Guillermo Resort Cuba am schönsten Strand der Insel.

Havanna ist eine turbulente Metro­pole mit knatternden Autos und Motorrädern, Salsa-Musik und lauten Straßenhändlern. Doch betritt man die helle La-Manzana-Lobby, landet man in einer Ruhease: 246 Zimmer und 50 Suiten, zwei Restaurants, Lobby Bar, Zigarren Bar und eine unfassbar schöne Dachterrasse mit Pool und Bar samt Blick auf das historische Capitol. On Top of Havanna. Die Zimmer – bei mir mit Blick auf die schönsten Oldtimer am Morgen – sind klassisch modern mit viel Platz, dunklem Holz und Schreibtisch eingerichtet. Steckdosen mit Adapter sind reichlich vorhanden, und das WLAN funktioniert, auch beim jobbedingten Filmstreamen. Ich habe in Südfrankreich schon schlechtere WLAN-Erfahrungen gemacht.
Arbeiten geht also gut, auch auf der Dachterrasse am Pool. Und weil das für kubanische Verhältnisse opulente Frühstück bis 13 Uhr serviert wird, kann ich davor auch noch viel mit Deutschland telefonieren.

„Heute kein Zucker, keine Minze“

Wie alle Hotels auf Kuba, sind auch die Kempinski Hotels unter staatlicher Kontrolle und abhängig von den Lieferketten der Regierung. Das führt zu kurioser Mangelwirtschaft in den Restaurants – und zu Sätzen wie „Heute kein Zucker, keine Minze“: unglaublich auf der Zuckerinsel Kuba. Immer gibt es im Hotel aber Zigarren und Rum. Machine, der hauseigene Zigarren-Sommelier, empfiehlt mir eine Romeo y Julieta mit einem 18 Jahre alten Rum. Nie trank und rauchte ich eine bessere Kombination. Bei den seit einigen Jahren zugelassenen privaten ­Restaurants und Bars gibt es interessanterweise die Lieferschwankungen nicht. Das liegt am „Organisationstalent“ der Kubaner, heißt es, die als Betreiber dieser Paladare aus ihren Wohnhäusern schicke Restaurants gemacht haben. (siehe Box „bleisure tips“)
Bleibt mein „Kuba-in-love-Fazit“: Die Karibikinsel ist sicher (noch) nicht die 1A-Destination für Remote Working. Aber es geht schon sehr gut. Ich hätte Lust auf mehr Kuba, auch außerhalb von Havanna.


Kai Böcking …

… war im Rahmen der Dreharbeiten zu „Herr Raue reist“ (TV-Doku mit Tim Raue) auf Kuba gewesen und will unbedingt bald wiederkommen. Hier ist Reisen noch Entdecken, sagt er. Im Gestern, das auf ganz eigene Weise auch digital ist – und zu herrlichem Remote Work einlädt.


Bleisure Tipps Kuba

La Casa de Julio: in Playa Baracoa, 30 Minuten von Havanna entfernt, kleines Fisch-Restaurant am Meer von Julio, einem früheren Arzt. Sehr einfach, frisch, lecker. Besser als jedes Sushi.
Paladar La Guarida: in den obersten Etagen einer Villa, in der Enrique wohnte und nun das wohl bekannteste Restaurant Havannas residiert. Fantastische Küche. Natürlich: nur Barzahlung!
Paladar Grados: in Vedado, mein Favorit. Hier kocht der Wirbelwind Raulito in seinem Elternhaus. Kubanische Küche auf Sterne-Niveau. Grüße von Tim Raue sagen, der gar nicht mehr von hier weg wollte!
Kempinski Cayo Guillermo Resort Cuba: Strandschwester des Kempinski Manzana am Playa Pilar, einer der schönsten Strände weltweit. Die Anreise ist ohne Flugzeug lang, aber lohnt sich: echtes Remote Work in der Ferne in einer Wasservilla.

Fotos: © Stock.com/ oliver de la haye, Kempinski, Kai Böcking /BSB

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