Portugal
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Nina in Nomad Land: Portugal

„Reisen und Arbeiten ohne festen Wohnsitz – mit einem 13-jährigen Kind? Das geht. Wir sind bereits seit über einem Jahr unterwegs.
Im Herbst kombinierten wir im Nomaden-Hotspot Portugal meinen Job als Yogalehrerin mit dem Surfen: in Porto und Praia de Ancora.“ Nina Winkler, Journalistin und Fitnesstrainerin

Nach zwei Wochen im spätsommerlichen Deutschland reisen mein Sohn und ich für drei Wochen unserem Eternal Summer hinterher – nach Porto, wo ich Yoga-Kollegen ausbilden werde, und wir danach ins Surfcamp fahren. Wir greifen uns aus Mamas Keller unsere leichten, mit Sommersachen teils schon vorgepackten Koffer. Dann geht es drei kurze Flugstunden direkt in den Norden von Portugal.
Schon im letzten Jahr habe ich bei einem Surf- & Yoga-Camp in der Nähe von Porto gearbeitet und kenne mich noch etwas aus: Wir fahren mit der Tram ins Zentrum und sind am Praia de Matosinhos in einem Airbnb eingebucht – nah am Strand, einem tollen Burgerladen nebenan und Cafés in Hülle und Fülle. Am Strand hole ich mir den ersten und bald auch täglichen Espresso im Lais de Guita. Blick, Preise, Kaffee – ­alles top! Die Unterkunft leider nicht: In unserem Schlafzimmer tropft es aus der Deckenlampe samt zischenden Geräuschen. Ich fühle mich unwohl, reklamiere sofort beim Host, doch es passiert während unseres Aufenthalts nichts.

Dann der zweite Schock: Ich habe den falschen, vorgepackten Koffer erwischt: Bis auf ein paar Dinge, die auf die nächste Asientour mitsollen, ist er leer, und ich bin stinksauer auf mich. Hätte ich auch am Gewicht merken können. Mein Sohn Jamie kichert eine Stunde lang, während ich einen Plan B schmiede: Was trage ich auf meiner Yogalehrer-Ausbildung, was beim Retreat? Ich beschließe, nur minimalistisch einzukaufen und zu improvisieren. Bald danach laufe ich durch eine bezaubernde Gegend mit Straßen, die manchmal einen morbiden Charme, dann wieder großstädtisches Flair vermitteln. Nach ein paar Einkäufen bin ich zurück und stelle fest, dass die große Dachterrasse, auf der wir Yoga üben wollten, gesperrt ist. Das fängt ja gut an.

Glücklicherweise kommt am nächsten Tag mit meinen Auszubildenden auch der Sonnenschein an: Die Ausbildungswoche meines jährlichen Avantgarde Yoga Teacher Trainings verfliegt bald im Nu, und ich bin sehr happy, dass in der renovierungsbedürftigen Wohnung wenigstens eine Waschmaschine steht, mit der ich meine Klamotten-Misere etwas übertünchen kann. Und hey, ich werde Fashion-Erfinderin: Einen Rock ziehe ich verkehrt herum an und knote ihn zum Neckholder-Top. Derselbe Rock wird auch als schulterfreies Kleid eingesetzt, und meine Rettung sind schwarze Leggings, die einfach zu allem passen. Als sich das Wetter stabilisiert, können wir auch am Matosinhos-Strand, der sehr breit ist, Yoga üben, während Jamie in den Tagen online seine Schulstunden absolviert.

Weiter geht’s: Zeit für Wellen!

Nach der ersten Woche verabschiede ich mich von meinen frisch gebackenen Yoga-Lehrerinnen, die nach 300 Ausbildungsstunden endlich ihre Zertifikate erhalten. Wir fahren wieder zum Flughafen, finden mit Geduld den Mietwagenverleih in einem Industriekomplex. Nach einigen Diskussionen dort bestätigt sich meine Vermutung der letzten Tage: Viele Portugiesen sind offenbar sehr bürokratisch und sprechen schlecht Englisch. Ich werde zu einer Extra-Versicherung für 200 Euro verdonnert.
Dafür ist der Wagen ok, und wir machen uns eine gute Stunde auf den Weg nach Norden in ein Surf-& Yogacamp in Praia de Âncora. Der Empfang ist herzlich, die Lage traumhaft, das Sonnendeck direkt am Meer. Hier will ich üben! Mein Sohn bekommt sofort eine Surf-Ausrüstung, während Mama auf der Matte übt. Aber ich darf auch zweimal surfen und bin begeistert. Im Weißwasser kann ich bald zum Strand cruisen. Toll sind auch die theoretischen Einheiten über Wetter, Wellen und den Sport allgemein. Für Jamie ist es fast wie Schule, aber lockerer. Es gibt auch Kinder, aber sie sind jünger, schließlich sind keine Schulferien. Die Surfspots in der Gegend sind übrigens genial verteilt: Bei den richtigen Wasser- und Windverhältnissen liegen drei in Laufnähe.

Surf & School

Jamie surft also vormittags und macht nachmittags ­Schule. Wi-Fi gibt es nicht, aber wir sind immer mit dem mobilen Router unterwegs. Die portugiesische Telefonkarte ist schnell gekauft, und ruckzuck sind wir online. Der Router ist Gold wert!
Das Yoga-Retreat macht viel Spaß. Eine Teilnehmerin lernt den Kopfstand, wir üben oft auf dem Sonnendeck direkt am Kastell Forte de Âncora. Die Ortschaften ums Camp sind noch nicht sehr touristisch erschlossen, und man kann hier noch zurückgezogen am Meer leben. Auf langen Strandspaziergängen trifft man immer wieder Wanderer – alles Pilger, denn der portugiesische Jakobsweg führt an der Küste entlang.

Unser Fazit: Porto ist sehr vielfältig, aber für die Erkundung der City muss man viel Zeit und Nerven mitbringen. Und wer sich von schlechtem Englisch aus dem Konzept bringen lässt, ist hier fehl am Platz. Die Natur und Landschaft ­machen allerdings alles wett. Und Surfen ohne Haie und mit tollen ­An­fänger-Wellen fanden wir großartig. Das würden wir gern ­wiederholen.


Nina Winkler …

Nina Winkler… hat zuletzt über ihre Zeit als 100-Prozent-Nomadin mit ihrem Sohn in Thailand und Süd­afrika berichtet. Demnächst wird es u.a. nach Namibia und Asien gehen.

INFO DESTINATION / BLEISURE TIPPS:
Porto ist das Zentrum Nordportugals, mit 1,76 Millionen Menschen nach Lissabon die zweitgrößte Agglomera­ tion des Landes. Die Römer waren hier, der Wein ist elementar, die Altstadt UNESCO­Weltkulturerbe.
LAGE UND EINWOHNER: am Douro-­Nordufer kurz vor der Mündung in den Atlantik, 238.000 Einwohner.
ANREISE: mit TAP, KLM, Air France, Eurowings u. a. direkt aus Lissabon, Berlin, München, Paris
info destination / bleisure tips: z.B. in Surf & Yoga Camps in Praia de Âncora: nach dem Yoga am Hausstand surfen und stundenlange Spaziergänge am Strand.

Photos: © iStock.com/Rocky89, Nina Winkler, Daniel Rodrigues ATP

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