Interview
Remote Working

Mein Leben in Bangkok

„Remote Work ist für mich kein Trend, sondern gelebter Alltag – und dies zwischen Europa und Asien. Meine Coachings und strategischen Sparrings funktionieren ortsunabhängig, persönlich und wirkungsvoll – mit Bangkok als meinem aktuellen Zuhause.“ Claudia Scheffler-Perrone, Beraterin, Dozentin 

In Bangkok war ich das erste Mal 2022. Und noch bevor ich überhaupt angekommen war, wusste ich, dass mir diese Stadt gefallen würde. Viele hatten mir im Vorfeld abgeraten. Zu voll. Zu chaotisch. Zu laut. Doch in dem Moment, als ich das erste Mal einen Fuß in diese Stadt gesetzt habe, hat mein Herz gelacht. Es war dieses Gefühl von Ankommen, das man nicht erklären kann, man spürt es oder eben nicht.

Bangkok ist intensiv, fordernd und lebendig. Genau das liebe ich. Diese Stadt schläft nie, sie bewegt sich ständig und überrascht jeden Tag aufs Neue. Was Bangkok außerdem unschlagbar macht, ist die Infrastruktur. Der Skytrain fährt oberhalb der Straßen und verbindet große Teile der Stadt. Die MRT ist als U-Bahn modern, sauber und extrem zuverlässig. Grab ist eine App, vergleichbar mit Uber, über die man Fahrten, Essen, Einkäufe oder Lieferdienste organisiert. Man kommt schnell, günstig und unkompliziert überall hin. Alles funktioniert. Und wenn man remote arbeitet, ist genau das Gold wert.

Auch das Thema Networking ist hier außergewöhnlich. Menschen kennenzulernen ist unglaublich einfach. Bangkok ist voll von Zugezogenen aus aller Welt. Die Menschen sind offener, neugieriger und gesprächsbereiter als in Deutschland oder vielen anderen Ländern. Kontakte entstehen spontan im Café, im Gym, im Condo oder beim Arbeiten. Es fühlt sich leicht an, nicht konstruiert.

Hinzu kommt: Ich liebe die Hitze und Wärme. Das ist sicher nicht für jeden etwas. Ich habe die Kälte in meinem Heimatland Deutschland allerdings schon immer gehasst. Graue Tage, dunkle Winter, dieses permanente Warten auf den Frühling – das hat mir nie Energie gegeben. Hier ist es warm, hell und lebendig. Mein Körper fühlt sich stärker an, mein Kopf klarer.

Mein Alltag in Bangkok ist strukturiert … 

…. und gleichzeitig entspannt. Ich stehe morgens um 6 Uhr auf. Nach dem Kaffee bin ich meist gegen 7 Uhr im Gym im gleichen Condo. Wenn ich nicht trainiere, schwimme ich eine Runde im Pool. Mein Sohn geht zur Schule und macht seinen Abschluss in Bangkok. Ich beginne normalerweise ca. 9 Uhr mit der Arbeit. Wenn ich Coachings mit deutschen Kunden habe, startet mein Tag später und endet auch mal um 22 oder 23 Uhr, wegen der Zeitverschiebung.

Von Bangkok aus ist es zugleich easy, Asien zu bereisen. Bangkok ist ein Drehkreuz. Die Flüge sind günstig, und deswegen reisen mein Sohn und ich gemeinsam, aber auch ich alleine. Gerade hatte ich z. B. einen Vortrag in Beijing/China und demnächst eine Keynote Speech in Singapur.

Der Unterschied zu Hamburg, meiner Heimatstadt? Abgesehen davon, dass es Welten sind, ist es vor allem die Work-Life-Balance. Man arbeitet, aber man genießt auch bewusster. Remote Work funktioniert hier perfekt. Schnelles Internet gibt es überall. Es gibt unzählige kostenlose Workspaces, ganze Gebäude, die dafür ausgelegt sind. Jedes Condo hat Meetingräume und Arbeitsplätze. Cafés sind ebenfalls Arbeitsorte. Niemand beschwert sich, niemand schaut genervt, wenn man mit dem Notebook arbeitet. Es gehört hier einfach dazu.

Bangkok ist nicht perfekt. Aber es ist ehrlich, laut, bunt, warm, fordernd und gleichzeitig unglaublich inspirierend. Für mich ist es genau der richtige Ort, um zu leben, zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln. Und manchmal reicht genau das, ein Ort, an dem das Herz lacht.

Claudia Scheffler-Perrone …

… begleitet seit über 25 Jahren als Expertin für Kommunikation und Personal Branding die Spitzen der Wirtschaft. Als Italienerin mit deutschen Wurzeln verbindet sie europäische Werte mit einer globalen Denkweise. Die Bestsellerautorin und Herausgeberin des “World of Leader”-Magazins lebt aktuell primär in Bangkok, während sie für ihre Projekte regelmäßig nach Deutschland pendelt. Für sie ist dieses Leben zwischen den Kontinenten Ausdruck ihrer eigenen Freiheit – ein Ende dieses Kapitels ist vorerst nicht geplant.

 

Fotos: Claudia Scheffler-Perrone