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Bleisure Travel Remote Work

Namibia – zwischen Laptop und Leopard

„Es ist das Licht im südlichen Afrika, das Werbefilmer, Tierliebhaber und Abenteurer gleichermaßen anzieht. Aber Workation und Bleisure? Während Südafrika dafür schon lange ein Hotspot ist, steht der nördliche Nachbar Namibia noch nicht auf vielen Wunschzetteln digitaler Nomaden. Das sollte sich ändern.“ Kai Böcking

Ich war schon oft in Namibia, habe TV-Shows organisiert, gedreht und Urlaub gemacht. Diesmal ist eine 12-Tages-Rundreise geplant, und ich muss viel schreiben und Calls machen. Ich frage mich, ob das in einem so riesigen Land wie Namibia – mit stundenlangen Fahrten zwischen den Lodges und Hotels – wirklich funktionieren kann?

In der heutigen Zeit sind Daten problemlos über 4- oder 5G-Verbindungen via Handy und Hotspot zum eigenen Laptop kein Problem. Funktioniert prima in vielen Ländern, die ein enges Funknetz bei großer Einwohnerdichte haben. Aber Namibia hat nur 3,7 Einwohner pro Quadratkilometer … und doch, es klappt ziemlich gut. Die allermeisten Lodges haben ein gut funktionierendes WIFI. Da reicht die Bandbreite von Mails bis zu Streaming und Calls. Und auf den langen Transfers im Auto? Ich kaufe immer SIM-Karten für mein Mobiltelefon oder buche eine virtuelle eSIM. Die gibt es von vielen Anbietern online für Namibia. Physische SIM-­Karten mit diversen Datenvolumen gibt es am Flughafen, sind preiswert und immer wieder aufladbar.

Okonjima Plains Camp

So weit so gut. Machen wir uns auf die Remote-Work-­Safari durch Namibia. Das Wichtigste ist ein geländegängiges Auto. Keine Kleinwagen, da fliegt einem die Hinterachse auf den vielen Schotterpisten gleich hinter Windhoek um die Ohren. Mein Partner seit vielen Jahren ist Leander Borg mit seiner Firma Nature Friend Safaris. Er stellt Pakete mit Lodges, Routen und passendem Untersatz zusammen, inklusive Pannenservice (habe ich auch schon in Anspruch genommen). Ich bekomme einen VW Amarok, ein 4-Wheel-Panzer, mit viel Platz, und fühle mich gut vorbereitet mit Blick auf tausende Kilometer, die vor mir liegen.

Arbeiten Auge in Auge mit Nashörnern

Die erste Etappe führt in den Süden in die Kalahari. Roter Sand, Gazellen vor der Tür und ein Bungalow, der auf einer Düne gelegen einen ersten Eindruck liefert, wie unfassbar groß Namibia ist. Die Bagatelle Kalahari Game Ranch ist ein echter Klassiker in Namibia und Ausgangspunkt für viele Rundreisen. Zeltbungalows und Zimmer, rustikale Einrichtung, großer Gemeinschaftsbereich mit Pool, Restaurant, Bar und den ersten neugierigen Wildtieren, die entspannt durch die Anlage streunen.

Das WIFI funktioniert auch in den Bungalows, nicht mega-schnell, aber für Mails durchaus brauchbar. Da Namibia fast keinen Zeit­unterschied zu Deutschland hat, kann ich für einige Stunden mit Blick auf grasende Antilopen arbeiten. 250 Kilometer weiter Richtung Norden wartet die We Kebi Safari Lodge auf den Remote Worker aus Deutschland. Und hier beginnt das wahre Namibia.

14 strohge­deckte Chalets, ein offenes Restaurant und Pool treffen auf hauseigene Nashörner und Elenantilopen, die morgens und abends den Hausgästen quasi auf die Pelle rücken. Ich sitze mit meinem Laptop bei Top-WIFI auf der Restaurant-Terrasse und arbeite Auge in Auge mit einem Nashorn. Großartig und ein Häkchen auf meiner Big-Five-Wunschliste. Die Chalets sind kugelrund und afrikanisch gemütlich, das Frühstück und Abendessen bodenständig mit lokalen Zutaten in traumhafter Kulisse, lokale Weine gibt es in großer Auswahl.

Bagatelle Kalahari Game Ranch: Guest room lounge

Die nächste Station ist Swakopmund. Ein kurzer Zwischenstopp in der immer noch deutsch geprägten Küstenstadt am kühlen Atlantik, bevor es weiter in den Norden geht. Ich habe auf der 400 Kilometer langen Strecke einen wichtigen Call. Links ran (Namibia ist Rechtslenkerland), die Verbindung ist stabil, Gott sei Dank. Und meine Kollegen wundern sich, woher ich so ein großartiges Hintergrundbild habe.
Swakopmund im Westen Namibias ist die Sommer- (Winter-)Frische der Namibianer. Nature Friend Safaris betreibt hier eine brandneue Lodge, die modern eingerichtet ist, ein grandioses Frühstück bietet und nur einen Steinwurf vom Strand entfernt ist. Place to be am Abend ist das Tug Restaurant am Pier: frisch ­gefangener Fisch und selbst gebackenes Brot an Holztischen mit Blick auf den Atlantik. Und wieder dieses magische Licht des ­südlichen Afrikas.

Hört sich kitschig an? Ist es auch!

Bei einer Selbstfahrer-Safari durch Namibia bleibt man meist nie länger als zwei Tage an einem Ort oder einer Lodge. Also die nächsten 400 Kilometer im Auto auf Asphalt- und Schotterpisten, mit
90 % Mobilempfang. Das, was man unter Safari-Location versteht, erwartet mich dann im Ohorongo Tented Camp. An einem kleinen Felsmassiv gelegen, residiert man hier wie einst Meryl Streep und Robert Redford in “Out of Africa”. Jedes Luxuszelt steht auf Stelzen, hat ein Outdoor-Bad, eine Gratis-Hausbar, ein Himmelbett unter Moskito-Netz und garantierte Sterne-Gucken-Garantie auf der großen Terrasse. Das Abendessen ist einfach nur köstlich – die Ruhe tiefenentspannend, und die grasenden Tiere vor der Terrasse genießen den Abend ebenfalls.

Ohorongo Tented Camp

Meine Arbeitsroutine für Safari-Remote-Work: früh morgens Pirschfahrt, um die Big-Five-Liste abzuarbeiten, dann Frühstück, Arbeiten, Pool und am frühen Abend ein Sundowner irgendwo in der unendlichen Weite Namibias. Hört sich kitschig an? Ist es auch, und trotzdem kann ich auch hier, dank perfektem WIFI, mein Arbeitspensum durchziehen.

Ein paar hundert Kilometer noch weiter im Norden befindet sich die Etosha-Pfanne, eines der größten Wildreservate Afrikas. Hier fährt man mit seinem Auto selbst durch den Park und sollte nur auf ausgewiesenen, eingezäunten Rastplätzen aussteigen! Denn überall sind sie: Elefanten, Gnus, Giraffen, Antilopen, Zebras und und und.

Abends komme ich in der Etosha Oberland Lodge an. Der Bungalow, ein paar Minuten vom Haupthaus entfernt, ist riesig – ein Badezimmer mit Außendusche, Schlafzimmer, Wohnzimmer. Wow! Das WIFI ist auch hier prima. Und wenn es mal in die Knie geht, hilft immer noch mein Mobilzugang über das Handy. Am nächsten Morgen cruise ich noch einmal quer durch die Etosha Pfanne und erreiche dann den letzten Punkt auf meiner Namibia-Liste.

Im Big-Five-Himmel

Der Sperrigste der Big Five ist der Leopard. Während der Löwe, das ­Nashorn, der Büffel und der Elefant durchaus zeigefreudig sind, ­versteckt sich Leo gerne.
Im Okonjima Plains Camp gibt es eine gewisse Garantie, einen ­Leoparden live zu sehen. Dort werden die Raubkatzen geschützt und erforscht, in einem hunderte Quadratkilometer großen eingezäunten Terrain. Viele der hier lebenden Tiere werden mit einem Funk-Halsband ausgestattet, um ihre Bewegungen zu erforschen. Mit einem Suchgerät kann der Wildhüter ungefähr einen Bereich eingrenzen, wo sich die Tiere aufhalten. Dennoch dauert es meist Stunden bevor der Safari-Freund ihn sehen kann. Und dann ist er endlich da, und ich schlichtweg im Big-Five Himmel.

Fazit

Jambo – Hallo. Remote Arbeiten in Namibia ist ein Abenteuer, aber möglich. Und vielleicht einer der spektakulärsten Möglichkeiten, Natur, Tiere und Arbeit miteinander zu verbinden. Die geringe Zeitverschiebung zu Europa, die gute WIFI-Ausstattung der meisten Lodges (unbedingt vorher fragen) und das überraschend gute ­Mobilnetz mit hoher Datenrate in den meisten Gebieten bieten einen extrem coolen Workation-Faktor.

We Kebi Safari Lodge
Etosha Oberland Lodge
Etosha Oberland Lodge

 

 


Kai Böcking …

… will in Namibia beim nächsten Mal nicht nur den gestressten Remote Worker geben, sondern einfach auch mal Land und Natur genießen.
Denn Namibia ist natürlich auch großartig für längeres Bleisure, z. B. nach einem Kongress in Kapstadt.

 

 


Info Destination

Namibia ist ein Staat im südwestlichen Afrika.
Lage und Einwohner: 2,9 Millionen. Größte Städte sind Windhoek und Swakopmund an der Atlantikküste. Im Norden befindet sich einer der größten Nationalparks Afrikas, Etosha mit der Etosha-Pfanne. Spektakulärauch die Kalahari-Wüste im Süden.
Währung: 1 Namibia Dollar = 0,048 Euro
Anreise nach Windhoek: Discover Airlines ab Frankfurt und München, Ethiopian Airlines über Addis Abeba, Edelweiss Air ab Zürich.

Am besten erkundet man Namibia mit dem Auto oder Camper. Lodges sollten vorher reserviert werden. Fast überall wird Englisch oder sogar Deutsch gesprochen. Tankstellen gibt es nicht überall.
Benzin und Wasser sollten immer genügend vorhanden sein. Mobil ist Namibia gut abgedeckt, auch Navis funktionieren. Es gibt viele Anbieter für Touren durch Namibia,
z. B. Nature Friend Safaris von Leander Borg, u. a. mit eigener 4×4 Autovermietung.

Photos:©  Kai Böcking, Bagatelle Kalahari Game Ranch, Ohorongo Tented Camp, We Kebi Safari Lodge, Etosha Oberland Lodge