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Bleisure-Trends Workation-Trends

Regelungsbedarf weiter hoch

„Bleisure und Workation sind in den meisten Unternehmen in Deutschland inzwischen gelebte Praxis. Aber 72 Prozent habe diese noch nicht in ihren Reiserichtlinien verankert. Der deutsche Geschäftsreiseverband VDR hat neue Zahlen zum Thema in seiner Geschäftsreiseanalyse 2026 vorgestellt.“

Der Trend, Arbeiten und Reisen neu zu verbinden, ist gekommen, um zu bleiben – wenn auch noch mit einigem Potenzial. Bleisure-Reisen werden aktuell von mehr als der Hälfte (53 Prozent) aller befragten Travel Manager in Unternehmen und Institutionen mit Sitz in Deutschland toleriert, aber nur von 39 Prozent aktiv gefördert. Auch bei Workation zeigen sich ähnliche Trends: 56 Prozent tolerieren es, von einem anderen Ort aus zu arbeiten, nur ein Drittel fördert aber die Möglichkeit. Bei 9 bzw. 10 Prozent sind Bleisure und Workation nicht erlaubt.

Große Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern führen die Akzeptanz und Umsetzung bislang an. Fast jedes zweite (45 Prozent) unterstützt bereits aktiv Bleisure-Wünsche, 40 Prozent auch Workation. Die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) mit zehn bis 500 Mitarbeitern sind noch etwas zurückhaltender mit 29 Prozent Förderung im Bereich Bleisure und 24 Prozent im Bereich Workation.

Strukturen aufbauen, Arbeitgebermarke stärken

Die Analysten sehen die Gründe darin, dass größere Organisationen bereits häufiger die Strukturen mitbringen, um Regeln, Genehmigungen und Kostenlogik korrekt zu trennen und Benefits früher zu standardisieren. In kleineren Unternehmen zeigt sich dagegen Blended Travel häufiger als pragmatisch erlaubte Einzelfalllösung.
Dazu passt die Zahl, dass 70 Prozent der Unternehmen Bleisure und Workation noch nicht in ihre Reiserichtlinie aufgenommen haben, aber es immerhin planen. Bei 29 Prozent ist Blended Travel bereits fester Bestandteil der Reiserichtlinien, nur 2 Prozent haben diese Integration nicht geplant.

Mit Blick auf eine starke Arbeitgebermarke setzt fast jede vierte HR-Abteilung in den befragten Unternehmen (24 Prozent) Blended Travel als aktiven Bestandteil ihrer Policy oder Arbeitgeberkommunikation ein. 57 Prozent nutzen diesen Benefit punktuell, z. B. in einzelnen Teams oder bei Bedarf. 18 Prozent diskutieren noch, ob sie Blended Travel zur Stärkung der Arbeitgebermarke nutzen sollen. Der VDR betont dabei, dass Bleisure- und Workation-Reisen zum sichtbaren Vorteil sowohl für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber werden. Wenn private Reiseanteile sauber ergänzt werden können, entsteht aus einem klassischen Pflicht­termin ein Reiseformat, das besser zur Lebens­realität moderner Arbeit passt: plan­ba­rer, flexibler, attraktiver“, heißt es. Mitarbeitende würden von deutlich mehr Gestaltungsspielraum profitieren, im Sinne von Motivation und Zufriedenheit statt Zusatzbelastung

Es braucht eindeutige Regelungen

Bleisure und Workation sind also längst in den Unternehmen angekommen und etabliert, dies mit großem Mehrwert, der inzwischen vielerorts bestätigt wird. Aber ein signifikantes Problem bleibt im Moment noch: Die Unternehmen haben diese Themen bisher kaum geregelt. Bei Ernstfällen im Bereich Haftung, Versicherung, arbeitsrechtliche Anforderungen und Steuerrecht wären viele Unternehmen nicht gewappnet, warnt der Geschäftsreiseverband. Es brauche aber eindeutige Regelungen. „Denn oft ist nicht eindeutig, wann der Arbeitgeber noch in der Verantwortung ist und wann nicht, etwa bei Unfällen im privaten Verlängerungsteil, bei Ausflügen oder während einer Workation im Ausland“, so der VDR. Beim Ignorieren von Entsenderegeln, 183-Tage-­Grenzen oder Betriebsstättenregelungen im Ausland drohen sogar Nachzahlungen und doppelte Sozialabgaben.

Der VDR hat dafür u.a eine Task Force mit Mitgliedern ins Leben gerufen und arbeitet hier an der Entwicklung von Standards. Zudem sollen sich in der noch jungen Initiative Blend_it! alle Akteure regelmäßig austauschen können. Am 14./15. Juli 2026 findet ein erstes Summit, u.a. mit neuen Studienergebnissen zu den Bedürfnissen der Reisenden, in Frankfurt statt.

Wieder mehr Dienstreisen

Die Geschäftsreiseanalyse 2026 hat als weitere wichtige Kennzahlen ergeben, dass im letzten Jahr die Zahl der Geschäftsreisen von deutschen Unternehmen und Institutionen wieder leicht von rund 107,1 Millionen auf 116,1 gestiegen sind – dies vor allem durch eine gestiegene Reisetätigkeit bei kleinen und mittleren Unternehmen. Reisen innerhalb von Europa haben dabei zulasten von Inlandsreisen von 24 auf 30 Prozent zugelegt.

Die durchschnittlichen Kosten pro Dienstreise sind wiederum um 4,8 Prozent auf 418 Euro gesunken, auch weil die Bahn zum häufigsten Verkehrsmittel von Geschäftsreisenden aufgestiegen ist und Inlandsflüge nur noch einen Anteil von 13 Prozent haben. Generell sieht der VDR aber eine gestiegene Kostenkontrolle vor allem bei den KMUs, die rund drei Viertel aller Geschäftsreisen von deutschen Unternehmen und Institutionen stellen.

 

Foto: iStock.com/Yuri_Arcurs