Christoph Carnier, Präsident des Geschäftsreiseverbands VDR
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BUSINESS Remote Work

14 Tage statt vier

„Das große Geschäftsreisen hat wieder begonnen – und ist nun tatsächlich anders als zuvor? Wir sprachen mit Christoph Carnier, Präsident des Geschäftsreiseverbands VDR, über Homeoffice-Pflicht, Kurztrip-Ende und lange USA-Reisen.“ Sylvie Konzack

Herr Carnier, Firmen sind wieder unterwegs, Meetings und Kongresse finden allerorts statt. Corona scheint im Business Travel erst einmal vorbei. Inwiefern kann das der Geschäftsreiseverband VDR bestätigen?

Unterschiedlich, nicht alle Unternehmen sind hier aktiv. Wir sehen aber in jedem Fall, dass es eine starke Rückkehr und hohe Nachfrage gibt, verbunden mit einem hohen Nachholbedarf. Dies wird gerade überall sichtbar, indem die Airlines nicht hinterherkommen und die Travel Agencies Probleme haben, weil die Menschen mehr Fragen haben.

Wie erleben Sie diese Zeit persönlich?

Ich bin viel unterwegs, aber war dies auch schon während Corona, soweit es ging. Auch Fliegen ist wieder ein großes Thema, mit allen Problemen, weil die Flughäfen während der Pandemie so viele Mitarbeiter verloren haben.

Weniger reisen, dafür länger und gebündelter – über mögliche Trends wurde in den letzten zwei Jahren viel spekuliert. Was davon bestätigt sich bisher?

Es ist noch zu früh, das abzuschätzen. Aber wir hören von einzelnen Kollegen bereits, dass manche Reisen zusammengelegt werden und Kurztrips mit ein bis zwei Stunden Meeting tatsächlich Historie sind, was auch gut ist. Ich fahre auch nicht wegen eines Termins durch die Republik, es ist inzwischen akzeptiert, dass man dafür nicht vor Ort sein muss. Aber wenn der Nachholeffekt abebbt, werden wir sehen, wie sich das Geschäftsreise-Aufkommen einjustiert.

Werden die Themen Nachhaltigkeit, Travel Risk etc. jetzt wirklich angegangen, oder wird nun erst wieder viel nachgeholt?

Das Thema Nachhaltigkeit hat für mich einen größeren Effekt als Corona. Denn die Unternehmen sind verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsstrategie nachzuweisen, wozu früher oder später auch das Thema Dienstreisen gehört. Durch den Krieg in der Ukraine kommt noch hinzu, dass Unternehmen ihre Supply Chain ändern und ggf. ihr Lieferantensystem breiter aufstellen. Und auch das führt wieder zu mehr Reisen.

Ist ein wachsendes Bedürfnis nach Bleisure und Remote Work erkennbar?

Ein klares Jein, denn momentan geht es vielen Unternehmen noch darum, die Mitarbeiter in die Offices zurückzuholen. Der Austausch hat gefehlt, die Innovation etwas nachgelassen – und das Office ist noch der Place to be. Hinzu kommt die Diskussion um ein Recht auf Homeoffice, die ich überflüssig finde: Die Unternehmen sollen selbst entscheiden können, und die Mitarbeiter sollen sich ihren Arbeitgeber danach aussuchen. Dies alles wird sich erst einspielen müssen. Aber zweifelsohne haben wir in der Pandemie gelernt, dass man von überall aus arbeiten kann. Auch ich habe letztes Jahr meine USA-Reise umgestellt: von vier vollgepressten Tagen mit hunderten unbearbeiteten Mails und jedem Abend essen gehen zu 14 entzerrten Tagen mit einem entspannten Ablauf, einem aufgeräumten Mail-Fach und mehr essen im Apartment. Grandios! Ich habe das Glück, in einem Unternehmen zu arbeiten, das hierbei flexibel ist.

Aber ich bin auch überzeugt, die Themen Bleisure und Remote Work werden für die Mitarbeiter ein wachsender Wunsch sein. Die Möglichkeiten geben es her, länger zu bleiben oder dauerhafter, vom Ausland aus zu arbeiten – ich glaube, das wird man öfters sehen.

Bei Remote Work geht es im Moment auch viel um die rechtlichen Optionen. Die Politik muss den Rahmen teilweise noch schaffen.

Ja, damit beschäftigen sich momentan viele Personalbereiche, z.B. auch zu Fragen nach dem Erstarbeitsort und Präsenzpflichten. Denn das eine ist, ob wir etwas können – das andere, ob wir es wollen. Generell hoffe ich, dass der Gesetzgeber Dinge so aufsetzt, dass sie ausreichend Flexibilität lassen. Aber wir sollten unbedingt noch einmal in einem Jahr sprechen, wie sich all diese Dinge dann entwickelt haben.


Sylvie Konzack …

glaubt auch daran, dass sich in einem Jahr der Trend-Nebel bei Geschäftsreisen deutlich mehr geklärt hat. Der großen Rückkehr ins Büro müssen bald festgezurrte Hybrid-Konzepte zwischen Office- und Homeoffice-Zeiten folgen. Auf dieser Basis können HR- und Travel-Management-Abteilungen auch den Rahmen für Remote-Work- und Workation-Aufenthalte abstecken.

Foto: © VDR

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