Schweiz

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WORKATION

Flash in der Schweiz

„Ich war schon oft geschäftlich in der Schweiz und leider schnell wieder weg. In diesem Sommer stieg ich in den Zug und blieb im so besonderen Bern und mondänen Luzern. Was für eine Offenbarung zwischen Aare-Feeling, Gurten-Meeting-Aussicht, Pilatus-Nacht, KKL-Geschichten und ganz viel Wasser.“ Sylvie Konzack

Bern und seine Aare
Bern und sein Viertel Matte mit dem Cosmos Coworking Space

Tatsächlich. Da sind bunte Sonnenschirme, ausgebreitete Handtücher und grünes Wasser, während mein Zug direkt darüber auf einer Brücke gen Berner Bahnhof rollt. Als ich wenig später auf einer der vielen Brücken stehe, präsentiert sich das „Berner Meer“ in seiner ganzen Pracht: Die unfassbar grüne Aare schlängelt sich durch die UNESCO-geschützte Altstadt wie ein geschwungener Pinselstrich. Im Sommer reden alle in Bern nur von ihr, ihrer Temperatur, ihrem Wasserstand und ihren besten Badestellen. Gerade hier zelebrieren die Berner ihre gemütliche Work-Life-Balance, nach dem Motto: entspannt sein in der kleinen Hauptstadt, während im gut 120 km entfernten, viel größeren Zürich das Hektik-Barometer ausschlägt, das sagen zumindest die Berner.

In Bern, wo man sich mit drei Küssen begrüßt und schnell duzt, wissen die Menschen um die sichtbar reiche Geschichte ihrer Stadt, die sie im 16. Jahrhundert nicht zuletzt durch etliche Patrizerfamilien zum größten Stadtstaat nördlich der Alpen werden ließ – und doch setzt man hier gern auf Understatement, was für mich die 134.290-Einwohner-Stadt so sympathisch macht. Viel lässt sich dabei selbst mit Überraschungseffekten entdecken, ohne in große Touristenblasen zu fallen. In den letzten Jahren war ich in Bern schon zwei-, dreimal wegen Geschäftsterminen, und ahnte jedes Mal, dass es sich lohnt, länger zu bleiben. Jetzt begebe ich mich gezielt auf meine kleine, feine Schweiz-­Exkursion – fünf Tage durch die deutschsprachige Business-Schweiz, die Bahn-Schweiz, die Traum-Berge-Schweiz. Ich mache von Süddeutschland aus mit dem Zug, am Bodensee entlang, zuerst in Bern Station und fahre dann über das Emmental nach Luzern und wieder zurück.

Alles sehr easy mit dem Swiss Travel Pass, mit dem man als ausländischer Gast freie Fahrt mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten Land hat, zudem freien Eintritt in über 500 Museen und Ermäßigungen bei Bergbahnen. Ich hole auf dieser Reise quasi Bleisure nach, recherchiere Workation-Möglichkeiten, treffe alte Geschäftskontakte und knüpfe neue. Einer davon ist Pietro. Der gebürtige Italiener war bis letztes Jahr sein bisheriges Berufsleben in der Stadt fast nur im Finanzbereich tätig, jetzt macht er hin und wieder Führungen durch sein geliebtes Bern. Er läuft mit mir zum Bundesplatz und Bundeshaus, durch die historischen Lauben, vorbei an zig Brunnen und steigt mit mir auf die Zytglogge aus dem 13. Jahrhundert, samt Figurenspiel und astronomischer Uhr. Pietro erklärt mir, wie hier schon damals ein perfektes Schweizer Uhrenwerk aus Zahnrädern konstruiert wurde, das bis heute funktioniert. Und wir schielen von oben ein Stück weit Richtung Matte, etwas unterhalb der eigentlichen Altstadt. Früher war die Matte ein Gewerbe- und Handwerksquartier, später das Elendsviertel der Stadt mit eigener Sprache, weil man mit den reichen Bernern oben nichts zu tun haben wollte. Und heute ist es ein In-Viertel, beliebt bei Familien wie auch Start-ups. Ich besuche das Cosmos Coworking Space, das es seit vier Jahren gibt. Rund 16 Designer, Grafiker, Web-Entwickler und jeder, der hier monats- oder tageweise dazustoßen will, teilen sich die Schreib­tische, zudem gibt es die Aare direkt vor der Tür, in die man auch reinspringen könnte. Workation geht also auch in Bern.

Festhalle Bern

Tagung und danach Bleisure

Überhaupt das Arbeiten in Bern – die Stadt ist nicht nur das landesweit größte Zentrum öffentlicher Verwaltung, sondern auch ein Kongress-Hotspot, der den Klassikern Zürich oder Basel in nichts nachsteht. Wer vom Züricher Flughafen gute eineinhalb Stunden mit Zug und Bahn nach Bern-Wankdorf fährt, hat nicht nur im altehrwürdigen Fußballstadion eine reiche Meeting-Raum-Auswahl. Gleich gegenüber befindet sich die erst im April eröffnete neue Festhalle. Als ich hier ankomme, fahren Tagungsgäste mit dem Rad Parcour auf dem Vorplatz, und im Foyer lockt ein Klavier zum freien Spielen. Insgesamt können hier Kulturanlässe, Shows, Kongresse, Messen, Sportveranstaltungen etc. mit bis zu 9.000 Personen veranstaltet werden. „Und viele unserer internationalen Gäste fahren nach der Tagung zum Wandern in die Berge“, berichtet Ingrid von der Festhalle. Vor allem Amerikaner machen Bleisure und planen bis zu zwei Wochen im Land.

In der Innenstadt gibt es wiederum auch kleinere Tagungsmöglichkeiten. Das Swissôtel Kursaal Bern z. B. betreibt zwar auch den benachbarten Kursaal, aber im Hotel selbst gibt es u. a. 28 Meetingräume samt Blick auf den wasserreichen Hotelgarten und die Aare. Das Vier-Sterne-Superior-Hotel, indem ich auch übernachte, gehört zu den Klassikern in der Stadt und wartet als Besonderheit mit Suiten mit aufklappbarer Fitnessstation auf. Die Direktorin Karin Kunz ist weit in der Welt gereist und Bern-entspannt, spätestens auf ihrer jedes Jahr neu dekorierten Dachterrasse lässt jeder Gast seinen Stress vor der Tür.
Und dann ist da noch der ­Gurten: Auf dem 858 Meter hohen Hausberg mit Restaurant und Veranstaltungsräumen finden sich alle Berner und viele Geschäftsreisende und Urlauber, spätestens beim jährlichen Gurten Festival, wieder. 1899 erbaut, kamen hier zuerst die Sommerfrischler, heute werden vor allem Seminare, Familienfeste oder Kundenevents veranstaltet. Ein Highlight ist dafür der verglaste Gurten-Pavillon für bis zu 500 Gäste mit Blick auf Bern. Die Außenflächen des Gurten locken wiederum mit freier Grillstation, einem Kräutergarten, Golfplatz und einer Sommerrodelbahn. „Entschleunigen und durchstarten“, steht hier auf einer Tafel – wohl wahr.

Pilatus-Flash

Ich fahre weiter nach Luzern und will noch einen Abstecher mit Bahn und Bus ins Emmental machen. Klingt umständlich, ist es aber nicht. Als ich in Sumiswald-Grünen aussteige, wartet schon bald der Bus zur Weiterfahrt auf mich. Der Fahrer genießt noch seine Pause mit Schweizer Volksmusik, die aus dem Radio dudelt. Wenig später schaukeln wir durch sanfte Hügel und viel Grün, und ich steige in Dürrenroth aus, das mich mit lauten Kuhglocken begrüßt. Gleich an der Straße liegt das Romantik Hotel Zum Bären – ein Kleinod aus drei Emmentaler Barock-Bauten, die ausgerechnet ein Deutscher vor ca. 15 Jahren zu einem heute über die Grenzen hinaus bekannten Juwel gemacht hat. Doch ich muss weiter.

Romantik Hotel Zum Bären in Dürrenroth

Der Bus bringt mich zum nächsten Bahnhof, und ich bin schon eine Stunde später in Luzern. Weiß wirkt die Stadt mit ihren Bauten im Vergleich zu Bern, doch bevor ich tiefer eintauche, will ich erst auf den hiesigen Hausberg – den Pilatus auf stattlichen 2.132 Meter, der mit 2.132 Möglichkeiten über dem Meer lockt. Von hier aus bietet sich ein grandioser Blick auf die Berge und den Vierwaldstättersee, man kann in den Panorama-Räumen tagen oder an Steinbock-Safaris und Astronomie-Abenden teilnehmen.

Ich übernachte im Hotel Pilatus-Kulm und genieße unter Stuck und Kronleuchtern ein Vier-Gänge-Menü im Queen Victoria Saal, eine Hommage an die englische Königin, die hier 1868 gewesen sein soll und den Touristenboom mit auslöste. Manchmal unterbrechen die Gäste das Essen für den Sonnenuntergang, der Service kennt das schon. Ich unterbreche am nächsten Morgen um 5 Uhr meinen Schlaf und nehme, wie einzelne andere, den kurzen steilen Aufstieg auf den Gipfel „Esel“. Die Aussicht ist top, wenn auch voller Wolken, die am Himmel über den zerfransten See tanzen. Die aufgehende Sonne bleibt schüchtern dahinter. Trotzdem ein Flash!

Wenig später geht es mit der steilsten Zahnradbahn der Welt (F. l.) zur Talstation Alpnachstad. Wir sausen quasi eine halbe Stunde auf der Bremse stehend den Pilatus hinunter, teilweise mit 48 % Gefälle. Nach einer weiteren kurzen Zugfahrt bin ich endlich in Luzern – zum ersten Mal für mich. Die Stadt wirkt durch den See und die vielen weißgetünchten Gebäude heller und anders als Bern. Sofort bin ich hier eine von tausenden Touristen.
Aber ich erhalte sogleich von der großartigen Mignon eine Einzelführung durch das großartige KKL, dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern direkt am See. Jean Nouvel hatte das 1998 eröffnete Haus mit viel Charakter geplant. Im Foyer finden sich z. B. flache Wasserbecken, die für besondere Spiegelungen sorgen – aber in die anfangs auch viele Konzertgäste fielen. Man erzählt sich, dass Jean Nouvel erst der Reinfall seiner Schwiegermutter zu dezenten Absperrungen bewegte. Eine andere Erzählung: Als Besucher auf der Terrasse mit dem ausladenden Dach beklagten, nicht die Kirchturmspitzen sehen zu können, empfahl er, katholisch auf die Knie zu gehen. Abgesehen von diesen Anekdoten gehört das KKL zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt. Und wer in den weiteren Räumen tagen will, kann das übrigens auch hier sehr gut.

KKL Luzern – © by Adrian Bretscher/Birdviewpicture 2014
Verkehrshaus Luzern

Eine andere beeindruckende Meeting- und Kongress-Location ist das Verkehrshaus in Luzern. Das meistbesuchte Museum der Schweiz macht in vielen Ausstellungshallen, z. B. zwischen aufgehängten Flugzeugen, Bankette möglich, zudem gibt es ein eigenes Conference Center und Planetarium.

Was ich immer schon sehen wollte: das Bürgenstock Resort auf dem Bürgenstock. Eine Fähre schippert mich zur historischen Standseilbahn, und oben heißt es dann vielfach: Wow! Ob der alten und neuen Hotelanlagen, der Jetset-Geschichte samt Hollywood-Pool und natürlich der überall zelebrierten Aussicht. Tagen kann man hier in 31 Meetingräumen, im Ballsaal oder im eigenen Kino. Firmen können hier auch einzelne Häuser komplett buchen.

Und Luzern an sich? Eine Perle mit vielen Stories. Allen voran über die mittelalterliche Kapellbrücke, die überdachte Holzbrücke über dem Fluss Reuss zur gegenüberliegenden Kirche. In ihrem Wasserturm in der Mitte, erzählt die Stadtführerin, wurden angeblich früher u. a. Ehepaare eingesperrt, die sich gestritten hatten. Später fragt eine amerikanische Touristin, ob die Geranien entlang der Brücke wirklich echt sind? For sure, und ja, sie werden per Hand gegossen. Die Tour endet in der barocken Jesuitenkirche St. Franz Xaver – ein beeindruckendes Haus, das man sogar für eigene Events mieten kann.
Na dann, in der Schweiz scheint tatsächlich nichts unmöglich!


Sylvie Konzack …

… hat die Woche in der Schweiz genossen und weiß, dass sie künftig jeden Geschäftstermin mit anschließendem Bleisure planen muss. Beeindruckt war sie auch von der Vielfalt und Flexibilität bei Kongressen und Events. Alles ist möglich – inklusive spektakulärer Kulisse.

bleisure tips

Bern: für Meetings u. Kongresse u. a. die Festhalle, das Stadion Wankdorf, das Swissôtel Kursaal Bern und der Gurten. Nach der Tagung das Bernische Historische Museum (mit Yoga im Orientalischen Raum, auch Einstein-Ausstellung), Bärenpark, Rosengarten, Berner Münster etc.
Luzern: für Meetings u. Kongresse u. a. das Verkehrshaus, KKL, Bürgenstock und Pilatus-Kulm. Danach u. a. der Klettergarten auf Pilatus-Kulm oder Wanderwege ins Tal, Touren auf den anderen Hausberg – Rigi, Baden im Fluss Reuss. Hoteltipp: Art Deco Hotel Montana

info destination

Die Schweiz ist eine demoktratische Eidgenossenschaft.
Lage und Einwohner: 8,96 Mio., in den Alpen in Mitteleuropa mit Deutschland im Norden, Österreich im Osten, Frankreich im Westen und Italien im Süden.
Währung: 1 Schweizer Franken (CHF) = 1,07 Euro
Anreise: u. a. für Ausländer mit dem Swiss Travel Pass:
mit einem einzigen Ticket reist man im gesamten öffent­lichen Verkehrsnetz der Schweiz – ob Bahn, Bus, Schiff oder Bergbahn. Weitere Infos über den QR-Code.

 

 

 

 

 

Fotos: © Konzack, Cosmos Coworking Space, Romantik Hotel Zum Bären, Adrian Bretscher/Hangar ENT.Group, Verkehrshaus Luzern, Festhalle Bern

 

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