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Great Bleisure in New York

„New York. Wo Träume aus Beton gemacht werden. Perfekt für Bleisure und Workation – mehr denn je.
Zwei Reisen, zwei Blicke, ein Tenor: Es gibt hier nichts, was Du nicht tun kannst.“ Kai Böcking, Sylvie Konzack

Kai: Ich bin im September zum ersten Mal seit Jahren wieder im Big Apple. Was hat sich verändert? Ganz sicher die Preise. New York ist für uns Deutsche ziemlich teuer geworden. Der starke Dollarkurs gegen den Euro und die weltweiten Preissteigerungen sind sicher Gründe. Die Reiselust nach der Pandemie ein weiterer.

New York ist rund um den 11. September rappelvoll. Ich wollte unbedingt in den Süden Manhattans und habe hier die Sonder Apartments nahe von The Battery gebucht. Ein amerikanisches Start-up für kurze und lange Aufenthalte, hauptsächlich in den USA und in einigen europäischen Städten wie London. Vor der Abreise bekomme ich alle wichtigen Infos auf die App gespielt und stehe bald vor einem früheren Bürogebäude, das jetzt rund 300 Serviced Apartments in allen Größen bietet. Dazu Golf Simulator, Fitness Center, Co-Working Space, Pool mit Dachterrasse und Mega-Hudson-Blick, und wer will, bestellt sich ein Peloton Bike in sein Apartment. Meines ist ein großer, moderner Raum, weißer Holzfußboden, große Kitchenette und 1A-WIFI, falls ich während meines Bleisure-Trips im Anschluss an meinen Business-Termin in der Stadt trotzdem arbeiten muss. Aber ich will im Moment nichts als New York – und das kriege ich.

Es ist der 11. September 2023, als ich beeindruckt am Ground Zero stehe. Das Museum, die beiden Wasserbecken als Erinnerung an die Zwillingstürme, der mächtige, neue U-Bahn-Komplex mit dem Oculus Center als Flügel schwingender Vogel – hier hat sich alles neu erfunden, und zugleich erlebe ich noch alte Institutionen: Das McSorley’s Old Ale House, ein paar Blocks von 9/11 entfernt, ist nicht nur der älteste irische Pub New Yorks, es ist auch das Herz der Feuerwehrleute der Stadt. Dort am 9/11-Jahrestag ein Bier zu bekommen geschweige denn einen Platz zu finden, ist quasi unmöglich. Draußen parken die Einsatzwagen der Feuerwehr, drinnen drängeln sich Kollegen aus aller Welt, um ihren Kameraden in New York an diesem Tag beizustehen.
Und um Bier zu trinken, mehr gibt es hier nicht. Hell oder Dunkel, es werden immer zwei auf einmal serviert. Auf dem Boden Sägespäne, nur Barzahlung. So geht das hier seit 1854. Ich durfte an diesem Tag mit rein und werde das nie vergessen.

An den anderen Tagen zieht es mich unter anderem ins Chinatown von Manhattan. Denn hier ist es vor allem auch lecker. Ich empfehle, unbedingt in diesen, auf den ersten Blick nicht einladenden Laden zu gehen: Dim Sum Go Go. Hier hockt man auf Plastikstühlen und isst so unfassbar gute Dim Sums, dass man glatt vergisst, in New York zu sein. Auf dem Fahrrad unterwegs passiert mir das wiederum nicht – und das ist großartig. An gefühlt jeder Ecke finden sich Leihfahrräder in New York. Eine der schönsten Strecken führt vom Battery Park bis zum Central Park, vorbei an all den neuen Kunstbauten und renovierten Vierteln wie dem Meatpacking District am Hudson River. My Town.

Sylvie: New York on the boat and on ice

Ich war Ende Oktober ebenfalls im Süden von Manhattan, in einem Hotel mit Skyline-Aussicht auf das 9/11-Areal. Bei meinem ersten New-York-Besuch vor über 15 Jahren klaffte hier noch die 9/11-Wunde weit auf. Jetzt hat sich alles schon doppelt und dreifach neu erfunden. Und das 9/11 Memorial? Es ist wirklich würdig und packend. Hier wird das Geschehene unvergesslich gemacht.

Als ich in Manhattan ankomme, will ich aber erstmal „Abstand“ von der Stadt gewinnen: Die Staten Island Ferry liegt in Laufweite. Alle paar Minuten schippert hier kostenlos eine Fähre hinüber. Ich springe drauf, und bald liegt mir der wohl berühmteste Stadtteil mit seiner Skyline um das alles überragende One World Trade Center zu Füßen. Dann einmal rüber zu Miss Liberty winken, in Staten Island vom Boot steigen – das muss jeder – und nach einem zügigen Fußmarsch durch das Fährhafengebäude wieder ein anderes Schiff zurücknehmen. Bleisure-Entschleunigung pur! Ich mache das zum Sonnenuntergang noch mal.

Manhattan hat in den letzten Jahren ein paar Wolkenkratzer hinzubekommen, das ist von der Fähre aus unverkennbar. Ich will den Summit One Vanderbilt nahe der Central Station erklimmen und habe schon in Deutschland einen festen Termin gebucht. Als es soweit ist, hängt der Mega-Turm in Wolken, und ich darf an einem anderen Tag wiederkommen – ein toller Service. Beim neuen Anlauf geben die Sonne und das Spiegelkabinett auf der Aussichtsetage alles. Das gute, alte Empire State Building, auf das früher ausschließlich alle gestiegen sind – zum Greifen nah. Ich bin mit Freunden auf dem Summit, und es werden mit einem kleinen, teuren Cocktail drei Stunden Gucken satt. Danach erfülle ich mir spontan einen Prinzessinnentraum und fahre Schlittschuh vor dem Rockefeller Center – my Town.

Für mich neu ist auch Dumbo. Vor einigen Jahren noch gingen wir als Touristen die Brooklyn Bridge nicht bis zu ihrem Ende. Viel zu gefährlich, glaubten wir. Heute und lange schon werden im restaurierten Dumbo-Viertel asiatische Hochzeitsshootings mit der Manhattan-Skyline im Hintergrund gemacht und coole Läden reihen sich aneinander, während dazwischen vielfach Coworking-Möglichkeiten aufblitzen. Aber ich will tagsüber nichts arbeiten und stelle sogar mein Smartphone offline.

Und dann ist plötzlich Halloween in New York. Ich war noch nie in dieser Zeit in den USA und hatte es mir alles beherrschender vorgestellt. Erst ab Feierabend mehren sich in der U-Bahn blutgetränkte Hemdenkostüme mit Accessoires wie einer Axt in der Hand. Die Parade, auf die wir wollen, ist leider zu voll, und wir gehen bald. Trotzdem kein Drängeln, höfliches Bitten, alle entspannt. Auch das macht New York immer wieder großartig.


Kai Böcking & Sylvie Konzack …

… sind beide Team New York und nicht London, wenn sie sich ­entscheiden müssten. In der Stadt der Stadt wären für sie tatsächlich
mal ein paar Workation-Wochen ein Highlight – wahrscheinlich leider aber auch die Kosten

BLEISURE TIPPS NEW YORK
Food & Beverages: Dim Sum Go Go (Chinatown), Gallaghers Steakhouse, McSorley’s Old Ale House, Food Market in the ­Central Station
Tower: Summit One Vanderbilt, Empire State Building, One World Observatory, Edge, Top of the Rock (Rockefeller Center)
Parks & Squares: The Battery, High Line Park, Central Park, Bryant Park, Rockefeller Center and always Times Square
Being Mobile: Rent a bike stations, Ferries, Subway

Fotos: © Konzack, Gregorius

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