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Remote Work in Kapstadt

„Wie geht derzeit Reisen? Ist gerade überhaupt Remote Work möglich? Mitte Dezember 2020 habe ich fünf Wochen für Remote und Bleisure Work in Südafrika verbracht, inmitten des Ausbruchs der Virusmutation. Eine spezielle Situation, doch vor Ort wurde für viel Sicherheit gesorgt.” Corinna Döpkens, Beraterin für Travel Management und Gastautorin des Bleisure Traveller

Das liebe ich an meiner beruflichen Selbstständigkeit – ich kann von überall auf der Welt arbeiten. Mehr als meinen MacBook, meine AirPods, mein Handy, zuverlässiges WLAN und natürlich viel Espresso brauche ich nicht.
Remote Work empfinde ich dabei immer noch als Luxus. Eigenverantwortlich arbeiten, frei sein und reisen – das wollte ich immer schon. Beruflich bin ich von Anfang an viel unterwegs gewesen, bedingt durch diverse Vertriebspositionen über viele Jahre. Und egal ob Kundentermine in München, Jahresversammlung in Dubai oder Sales Meeting in der türkischen Ägäis – ich habe mir immer Auszeiten genommen oder privat verlängert. Innerdeutsch in der Regel nur ein paar Stunden, im Ausland gerne auch mehrere Tage. Und seit ich Unternehmerin bin, vermischt sich Privates und Berufliches ohnehin. Negativ gesehen könnte man sagen, dass man nie wirklich frei hat und auch im Urlaub arbeiten muss. Ich sehe das anders. Remote Work gibt mir die Freiheit, auch mal länger an einem schönen Ort auf dieser Welt zu bleiben und mir die Zeit so einzuteilen, wie ich es möchte.

Die Perspektive wechseln

Als ich nach dem Abi, während des Studiums und danach, als Flugbegleiterin bei der Lufthansa arbeitete, habe ich in einem Layover Johannesburg und Kapstadt kennengelernt und bin sofort fasziniert gewesen. Das war 2001! Besonders Kapstadt und das Western Cape ziehen mich in ihren Bann. Jedes Jahr reise ich nach Südafrika und fühle mich sicher. Für mich ist es ein Ort der Kraft, der mich jedes Mal mit viel Energie nach Hause kommen lässt. Dies gilt inzwischen vor allem auch für meine Remote-Work-Zeiten in Kapstadt. Das ferne Arbeiten klappt hier prima. Es gibt mittlerweile tolle Co-Working Spaces, man trifft viele interessante Menschen aus allen möglichen Ländern und natürlich auch sympathische Locals. Und man hat überall stabiles Internet, wenn nicht gerade Power Shut off wegen „Load Shedding“ ist und ein bis zwei Stunden der Strom ausfällt. Bei einem wichtigen, notwendigen Call fahre ich dann einfach in einen anderen Stadtteil in mein Lieblingseinkaufszentrum und setze mich in ein Café mit WLAN. Geht alles!

Denn Südafrika ist Lifestyle pur mit toller Natur, fabelhaftem Essen und vor allem den positiven, lebensfrohen Menschen. Auch die Marketing- und Tourismusagentur von Kapstadt wirbt in diesem Sinne gerade auf spannende Weise für Remote Work, während Airbnb den Slogan „Keep your home comforts, change your perspective!” kreiert hat. Und genau so ist es für mich! Daran ändert auch Corona nichts. Ganz im Gegenteil. Die aktuelle Situation macht es für mich möglich, noch länger dort unten zu bleiben.

Über die Maske lächeln

 Als die Grenzen Mitte November 2020 für den internationalen Flugverkehr geöffnet wurden, buche ich sofort für Dezember. Cape Town is calling! Für die Einreise wird ein negativer PCR-Test verlangt, der nicht älter als 72 Stunden ist. Außerdem muss man sich die App „Covid Alert South Africa“ auf dem Mobiltelefon installieren, etwa zwei Tage vor Einreise ein Gesundheitsformular online ausfüllen und sich über die Corona-Situation und die -Regeln vor Ort informieren. Alles kein Problem. Und natürlich mache ich mir auch meine Gedanken, wie die Situation im Land nach dem langen Lockdown ist. Durch den engen Kontakt mit Freunden vor Ort weiß ich, dass die Arbeitslosigkeit spürbar gestiegen ist. Und ich weiß, dass ich mit meiner Reise den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor im Land und die Menschen unterstützen kann.

Als ich endlich ankomme, ist es dann tatsächlich fast wie immer. Lebensfrohe Menschen, die sich über internationale Besucher freuen. Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen werden überall vorbildlich umgesetzt. Man kommt in kein Geschäft oder Restaurant ohne die Nutzung von Sanitizer und Temperaturmessung. Und irgendwie kriegen es die Südafrikaner auch hin, dass der Sanitizer gut riecht und ich gleich einiges für Zuhause kaufe.
Überall im öffentlichen Raum muss zudem auch Maske getragen werden, und es stört eigentlich gar nicht. Weil die Menschen damit gut umgehen, weil man sich mit den Augen anstrahlt, und es so wohl sein muss.

Browsing around

Ich wohne wie immer in Kalk Bay in einem Apartment meiner Freundin Kim, die ich ursprünglich über Airbnb kennengelernt hatte. Kalk Bay ist ein kleiner Künstler- und Fischerort, ein Stadtteil von Kapstadt ca. 30 Minuten vom Zentrum entfernt. Morgens gehe ich joggen und einen Espresso trinken, dann arbeite ich ein paar Stunden, dann geht es noch einmal hinaus, und gegen Abend sitze ich ein letztes Mal am Laptop. Diese Art von Arbeit mit Pausen ist für mich schon immer am effektivsten. Nur dann kommen die Ideen, und ich bin in meinem „Flow“. Schon meine Diplomarbeit habe ich überwiegend im Lufthansa Layover, am Flughafen oder im Flieger geschrieben.

Für eine neue Art von kurzer Pause im Kopf sorgt kurz vor Weihnachten die Nachricht, dass das Land plötzlich zum Hochrisikogebiet erklärt wird, alle Flugverbindungen nach Deutschland gestrichen werden und ein Beförderungsverbot besteht. Dies auch, weil ich vor Ort keine Veränderung spüre und verwundert die deutschen Medien verfolge. Ganz kurz habe ich etwas Panik, aber das legt sich schnell wieder, in dem Land bleibe ich einfach ruhig. Meine Tage gehen weiter wie bisher. Die Strände sind zwar geschlossen und es gibt keinen Alkoholverkauf mehr, aber das empfinde ich nicht als schlimm. Ich unternehme nachmittags und am Wochenende Ausflüge in die Winelands oder nach Hermanus. Ich genieße als deutsche Lockdown-Geschädigte die Gastro-Erlebnisse, oder ich bummle einfach nur durch Kalk Bay oder an der Waterfront. „Browsing around“ wird zu meinem neuen Lieblingswort.

Und dieses Mal beschließe ich: Ich muss ein berufliches Standbein nach Südafrika bekommen. Deshalb stoße ich vor Ort diverse Themen an, treffe mögliche Geschäftspartner und sammle viele Ideen über mein neues Thema Nachhaltigkeit. Das Networking im Land ist easy und macht Spaß.

Testen und einreisen

Als meine Heimreise näherrückt, sind die Flugverbindungen wieder aktiv, wenn auch ausgedünnt, aber mein Flug geht. Ich überlege hin und her, ob ich nicht doch länger bleiben soll. Aber das Apartment von Kim ist weitervermietet, und ich muss zuhause nach dem Rechten sehen. Also heißt es, einen negativen PCR-Test für den Check-in zu erhalten, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Einige Testzentren haben keine Kapazitäten oder können nicht gewährleisten, dass das Testergebnis rechtzeitig da ist. Über eine Empfehlung von Freunden, die ein paar Tage vor mir fliegen, klappt es aber mit dem Termin, und das negative Testergebnis ist schnell per E-Mail da. Dann fülle ich schnell noch das Online-Einreiseformular für Deutschland aus und bin bereit. Der Flieger ist halb leer, und ich habe eine ganze Reihe für mich. Großartig! Zudem eine nette Crew, und ich kann wie immer gut schlafen. Auch bei der Landung in München gehen die Einreiseformalitäten schnell, trotz Mutationsgebiet. Ein kurzer Blick auf das Testergebnis und dann ist man „frei“. Willkommen in Deutschland, das sich schnell wieder als schneeregen-kalt und stockdunkel präsentiert. Doch die Energie aus Kapstadt bleibt. Ich verfolge mein Ziel, künftig beruflich das eine oder andere Projekt in Südafrika anzuschieben. Mein Business-Netzwerk dort wird von Tag zu Tag größer. Und bald heißt es dann sicher wieder „Cape Town is calling.“ Ich freue mich schon!


Corinna Döpkens …

Corinna Doepkensist Beraterin und Expertin für Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsthemen mit Fokus auf Tourismus und Travel Management. Die Diplom-Kauffrau im Fachbereich Tourismuswirtschaft arbeitet seit 20 Jahren in der Reiseindustrie. Zudem hat sie Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen im Studiengang Tourismusmanagement. Wenn sie nicht in ihrer Wahlheimat auf der Insel Rügen ist, arbeitet sie von unterwegs rund um den Globus.

Fotos: © Döpkens

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