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BLEISURE WORKATION

High-tech & the sea in Israel

Israel ist ein Start-up-Land und wurde zu meinem eigenen Start-up als neu entdeckter Workation- und Bleisure-Hot-Spot. Zwischen IT-Strand, Kibbuz-Luxus und Dachterrassen-Welt – 130 Kilometer entlang der Mittelmeer-Küste.“ Sylvie Konzack

Ich war im letzten Oktober und damit kurz vor den Neuwahlen in Israel. Wohl wenige rechneten damals damit, dass ein paar Wochen später tausende Israelis für ihre Demokratie auf die Straße gehen würden. Bis heute wissen sie, wofür sie es tun. Schon die Staatsgründung vor 75 Jahren war gewissermaßen ein Start-up, die Entwicklung zum Agrar-Land ein gemeinschaftlicher Kraftakt und der Switch zum Tech-Paradies seit den 1990er Jahren smarte Wirtschaftspolitik.

In Israel wurde der USB-Stick erfunden, Elektroflugzeuge werden hier produziert, und E-Busse laden sich schon jetzt auf Tel Avivs Straßen automatisch auf. Zudem sind die WeWork-Gründer Israelis, ebenso jene des Labor-Fleischzüchters Aleph Farms sowie die Gründer des Cybersicherheits-Giganten NSO Group. Neben der dominierenden Landwirtschaft wächst damit der Anteil des High-Tech-Sektors an der Bruttowertschöpfung des Landes stetig, zuletzt auf 18,1 Prozent. Und zugleich sind die Proteste der „Techies“ gegen die geplante Justizreform laut.

Herzliya

Auf einer Bootsfahrt an der Küste von Herzliya berichtet ein Reiseführer in aller Leidenschaft vom Start-up-Drive in seinem Land. 1924 gegründet, gilt Herzliya als High-Tech-Zentrum am Mittelmeer. In den Hochhäusern am Yachthafen haben einige große Unternehmen ihr Headquarter mit hunderten internationalen Mitarbeitern, vor Ort oder via Remote Work. Und manche Mitarbeitende zogen seit der Pandemie vom nahen Tel Aviv an einen der kleineren Küstenorte mit dem Strand und den Sportmöglichkeiten vor der Nase.
Zudem – was für ein Statement: Im Jahr 2022 hatte auch der damalige Tourismusminister für die Vielfalt Israels neben Jerusalem und Tel Aviv geworben: In einem Werbespot sprang er dafür tatsächlich in James-Bond-Manier ins Meer.

Netanya
Tel Aviv

Bleisure außerhalb von Tel Aviv & Jerusalem

Ich reise weiter Richtung Norden entlang der rund 130 km langen Mittelmeerküste, vorbei an Naturstränden wie in Bet Yannay oder beeindruckenden Ausgrabungsstätten in Caesarea und der antiken Stadt Akko. Ich sehe Urlauberpärchen, die mit dem Mietwagen unterwegs sind. Auch der Zug ist in Israel eine gute Alternative, allein die Strecke Tel Aviv-Jerusalem dauert nur 20 Minuten.

Kibbuz Nahsholim

Im Kibbuz Nahsholim an der Karmelküste bekomme ich einen Eindruck, wie sich seit rund 20 Jahren einige Kibbuze im Land ein weiteres Standbein mit 3- bis 5-Sterne-Hotels aufgebaut haben. Mein Zimmer hat einen eigenen Pool, nur ein paar Meter weiter befindet sich das Restaurant mit einem großartigen Buffet, das beim Frühstück wie Abendessen mit der ganzen israelischen Kulinarik-Klaviatur aufwartet. Und oberhalb des Kibbuz wandle ich in Dünen auf Holzstegen.

Um all inclusive geht es bei solchen Angeboten nicht, diese gibt es nur in der Wüste Isreals, abzählbar an einer Hand. Die Regierung und die Bevölkerung Israels wollen, dass das Land selbst in seiner Vielfalt gesehen wird, auch außerhalb der Touristenhochburgen Tel Aviv und Jerusalem. Deshalb genehmigen die Behörden kaum All inclusive-Resorts. Zugleich zeigen sich die Tourismusakteure offen für neuere Reiseformen wie Bleisure und Workation. Das drei Monate geltende Touristenvisum macht es für Ausländer leicht möglich.

Einer meiner Reise-Höhepunkte wird in diesem Sinne

Haifa

… Haifa. Die drittgrößte Stadt Israels ist nur 90 Kilometer nördlich von Tel Aviv gelegen.
Heißt es gemeinhin, dass in Haifa gearbeitet wird, in Jerusalem gebetet und in Tel Aviv gefeiert – finde ich in Haifa im Bleisure- und Workation-Modus alles perfekt vereint. Am Berg gelegen, ist der Blick von den Hängenden Gärten der Bahai auf die Stadt und den Hafen atemberaubend. Haifa gilt als Vorzeigestadt für Internationalität und Integration. Und auf den zahlreichen Restaurant- und Hotel-Dachterrassen wird nicht nur der Laptop aufgeklappt, sondern auch das Leben im Hier und Jetzt gefeiert – wie ein Start-up eben.

Haifa

Sylvie Konzack …

hat mal gelesen, wie ein Physiker die Israelis als furchtlos gegenüber dem Scheitern beschrieben hat. Wer in Israel scheitert, sei ein bißchen schlauer geworden und fängt noch einmal von vorn an, sagte er. Hoffentlich behält sich das Land so auch seine Demokratie.


Bleisure Tipps Israel

Akko, Caesarea: antike, atemberaubende Stätten.
Rosh Hanikra: Felsenhöhle an der israelisch-libanesischen Grenze.
Tel Aviv: so pulsierend und inspirierend, wie oft beschrieben. Sightseeing & Remote Work u.a. im Anu – Museum of the Jewish People. Sport an der Strandpromenade, die bis in die Altstadt von Jaffa führt.
Jerusalem: natürlich! Atemberaubend vor allem die Grabeskriche. Remote Work z.B. im Café Triest – Österreichisches Pilger-Hospiz mit Garten.

goisrael.com

Fotos: © Israel Dana Friedlander, Konzack

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