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BLEISURE WORKATION

Remote in Rom

„Zwei Wochen Remote Work in Rom – das ist für mich die größte Freiheit als Angestellte. Seit etwa einem Jahr sind in unserer Firma 20 Arbeitstage möglich.“ Bianca Schmid-Bartosch, Head of Group Compliance bei der Daimler Truck Financial Services GmbH

Bianca, Rom ist für Dich nicht neu. Du hast hier schon einmal gelebt?

Ja, ab 2016 als Expat für drei Jahre. Ich habe damals allein in einem Seviced Apartment gewohnt, auf 40 m2 im obersten Stock mit einer kleinen Dachterrasse, eigener Küche und Hotelservice. Das war eine tolle Zeit, in der ich Rom lieben lernte.

Jetzt bist Du im November für zwei Remote-Work-Wochen „zurückgekehrt“.

Ja, ich hatte Sehnsucht nach Rom. Ich reise viel um die Welt, aber in diese Stadt verliebe ich mich jedes Mal aufs Neue. Wenn die Leute sagen, Paris ist die Stadt der Liebe, sage ich immer: lies Roma rückwärts … Die Stadt hat für mich einen Vibe, den keine andere mitbringt. Ich finde das Licht durch die Farben der Häuser einzigartig. Ich liebe die Menschen und ihr spezielles Dolce Vita. So wie hier ist es nicht in Mailand, Bologna oder Neapel. Und nicht zuletzt kann man von Rom aus schnell ans Meer, in die Berge oder an kleine Seen.

Was genau machst Du beruflich?

Ich bin Head of Group Compliance bei der Daimler Truck Finan­cial Services GmbH (DTFS GmbH) in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, meiner offiziellen Arbeitsstätte. Hier bin ich für alle Compliance-Themen verantwortlich, mir obliegt die Netzwerksteuerung für alle unsere 16 Ländergesellschaften. In jeder sitzt ein Local Compliance Officer, mit denen ich im regelmäßigen Austausch stehe. Dort klären wir Fragen wie: Können wir wirklich auf das Kundenevent gehen und wenn ja, wie? Dürfen wir mit der Firma X oder Y Geschäft ­betreiben? Mit wem darf ich meine Daten austauschen?
In der Regel besteht mein Tag aus zahlreichen Video-Calls mit Kollegen im In- und Ausland, die sich nicht an meinem Bürostandort befinden. Ich habe eine gute Mischung aus Home Office und Büroarbeitstagen in Leinfelden-Echter­dingen. Damit habe ich meine ideale Balance zwischen persönlichen Team Meetings und meinem Home Office.

Seit wann dürfen die Mitarbeiter bei der DTFS GmbH auch remote arbeiten?

Wir haben seit etwa einem Jahr in unserer Travel Policy festgeschrieben, dass wir bis zu 20 Arbeitstage im Kalenderjahr innerhalb von Europa (mit ein paar Länderausnahmen) mobil arbeiten dürfen. Wenn wir den Wunsch haben, besprechen wir mit unserem Vorgesetzten den Zeitpunkt, das Ziel und wie jeder von dort aus arbeiten wird. Danach geben wir die Daten in ein Tool ein, und es werden Formalia wie die A1-­Bescheinigung ausgestellt.

Du hast von Deinen 20 Arbeitstagen zehn im letzten Jahr in Rom verbracht. Welchen Regeln seitens Deines Arbeitgebers musstest Du vor Ort folgen?

In der Policy ist klar geregelt, dass ich mich aus steuerrechtlichen Gründen nicht in unserer Ländergesellschaft in Rom aufhalten darf, geschweige denn von dort aus arbeiten kann. Ich durfte auch nicht an Meetings in der italienischen Ländergesellschaft teilnehmen. Mein ­Aufenthalt in Rom galt als reines Privatvergnügen. Ich habe mir ein Apartment für diese Zeit ge­nommen und alles ausschließlich selbst gezahlt.

Wie sah Dein Arbeitsalltag aus?

Ich hatte – wie in meinem Homeoffice in Deutschland – den ganzen Tag über in meinem Apartment virtuelle Meetings und bin hier komplett durchgetaktet gewesen. Ich konnte quasi meinen Arbeitsalltag ganz leicht umziehen. Und in der Mittagspause kochte ich mir ein Essen mit den guten italie­nischen Zutaten.
Rom habe ich vor allem abends genossen und mich mit Freunden von früher zu einem Apéro getroffen. Für mich waren hier vor allem das La Matricianella, das Rosso Eat Drink Stay und das Chalet del Lago in Anquillara Sabazia tolle Orte.

Für den Sommer 2024 hast Du bereits Remote Work in Rom mit Deinem Partner geplant. Was wirst Du hier anders ­machen?

Ich werde hier nicht alle Tage für mobiles Arbeiten verwenden, sondern einen Teil davor und danach mit Urlaubs­tagen mischen und längere Wochenenden planen. In puncto Arbeitsorganisation und -alltag werde ich aber nichts verändern. Vielleicht gehen wir hin und wieder in der Mittagspause zum kleinen Italiener unten in der Straße essen. Ansonsten werden es in Rom wieder ganz normale Home-Office-Tage sein.
Ich sehe es als Vorteil, dass ich Rom schon kenne und sehr genau weiß, wohin ich in meiner Freizeit fahren kann und mich darauf freue. Dadurch fällt es mir leichter, an den reinen Arbeitstagen im Apartment nur zu arbeiten. Aber das muss jeder selbst herausfinden, wie es für ihn am besten passt.

Hast Du bei der Apartmentauswahl für diesen Sommer noch einmal auf besondere Aspekte geachtet?

Das Internet muss gut funktionieren, klar. Aber damit hatte ich im Apartment im November überhaupt kein Problem. Künftig werde ich immer auch versuchen, einen Balkon oder eine Terrasse zu haben, um von hier aus ebenso zu arbeiten oder abends einen Aperitivo zu trinken. Es ist mir wichtig, dass mein Apartment ruhig ist, um in Ruhe zu arbeiten und um nachts schlafen zu können. Zugleich soll es auch zentral liegen, sodass ich von hier schnell überall hinlaufen kann.

Wie reagieren Deine Kollegen? Inwiefern sprecht Ihr über Eure Remote-Work-Aufenthalte?

Seit letztem Jahr haben einige, aber noch wenige Kollegen die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten genutzt. Wir sprechen darüber, welche tollen Erfahrungen wir gemacht haben, und die Akzeptanz steigt spürbar. Denn ja, es kostet neben der Anreise viel Geld, sich extra ein Apartment zu buchen, und ich kann auch nichts von der Steuer absetzen. Aber für einen Angestellten ist es, finde ich, die absolute Freiheit und toll, dass dies nun im geregelten Umfang auch für Angestellte möglich ist. Für mich ist die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten großartig. Und ich bin überzeugt: Auch für Jüngere, die sich für eine Firma entscheiden, ist es ein großer Aspekt, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Bianca, und Dir noch tolle Remote-Work-Reisen!


Sylvie Konzack …

… konnte verstehen, was Bianca meint, wenn sie sich immer wieder in ihr Rom verliebt. Und dass es ihr nichts ausmacht, den ganzen Tag nur in ihrer Wohnung zu arbeiten. Sie kann die Perspektive wechseln, und in wenigen Minuten ist sie mitten in Rom unter Römern, wenn sie es will.

 

Fotos: © Bianca Schmid-Bartosch

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