Bleisure-Trends
BUSINESS Remote Work

Der Business Travel ist neu zurück

Airlines haben wegen Bleisure & Co. weniger Buchungslöcher, Mietwagen sind rar, Hotels voll. Der Business Travel ist eher als erwartet zurückgekehrt und schon jetzt anders als bisher, wie gerade auch ein Expertentalk feststellte.“ Sylvie Konzack

„Das Geschäft ist nicht nur früher zurückgekehrt als wir es erwartet haben, sondern stärker als vorher“, so Thorsten Lettnin von United Airlines im Expertentalk, den SAP Concur Ende November 2022 in Frankfurt stattfinden ließ. Allein United Airlines ist in diesem Jahr 22 Prozent mehr geflogen als 2019. „Das überrascht uns sehr“, sagte der Director Sales Cont. Europe, India & West Africa. Die Fluglinie hatte keine Maschinen während der Pandemie gegroundet und konnte daher auf alle Flugzeuge zurückgreifen.

Zugleich stellte Thorsten Lettnin den Trend fest, dass es keine markanten High- und Low-Saisons mehr bei Flugbuchungen gibt. „Wir sehen bei uns keine Buchungslöcher mehr – weder im Verhältnis Woche und Wochenende noch in früher schwachen Saisons wie im Januar.“ Besonders im amerikanischen Raum, in dem seine Airline schwerpunktmäßig aktiv ist, sei New Work mit viel hybridem Arbeiten inzwischen normal. „Deshalb mischen sich immer deutlicher Business- und Leisure-Reisen. Das finden wir klasse“, so sein Fazit.

Bei den Mietwagen-Anbietern sieht es in puncto Nachfrage ähnlich aus. In Kombination mit Lieferproblemen der Automobilbranche führte dies in diesem Jahr zu einem oft zu knappen Angebot. „Die Verfügbarkeit und Planbarkeit sind für uns 2022 zum Ritt auf dem Rodeo geworden“, so Wolfgang Neumann, Geschäftsführer von Europcar Mobility Group Germany. 2023 werden die Preise in seinem Bereich daher hoch bleiben, schätzt er ein.

Auch der Hotelbereich müsse gewisse Kosten weitergeben, dies u.a. aufgrund der gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten, berichtete Carmen Dücker, Geschäftsführerin von BWH Hotel Group Central Europe. Aber 1:1 werde das natürlich nicht stattfinden.

SAP Talk: Business Recovery Process, left side: Thorsten Lettnin (United Airlines), Christoph Carnier (VDR, Merck), Carmen Dücker (BWH Hotel Group), Bernd Schulz (SAP Concur, Moderator), Wolfgang Neumann (Europcar), Lutz Neuert (BCD Travel)

Appetit nach Service ist gestiegen

„Die hohe Nachfrage mit gestiegenen Preisen sollte keine Überraschung für alle Beteiligten im Business Travel sein“, mahnte Christoph Carnier, Präsident des Geschäftsreiseverbands VDR und Director Travel, Fleet & Events beim Pharmakonzern Merck, an. Aber die Frage sei, wie partnerschaftlich und fair wir miteinander umgehen und Verständnis für die Preissteigerungen nach zwei Jahren pandemie-bedingtem Geschäftsausfall zeigen. Zudem wäre es jetzt dringend geboten, das Thema Nachhaltigkeit mehr in den Vordergrund rücken.

Lutz Nauert, SVP Global Program Management der Geschäftsreise-Management-Company BCD Travel, sah hier generell positive Bewegungen: „Immer mehr Unternehmen sind an langfristigen Partnerschaften interessiert und schätzen den Service-Mehrwert, weil das Geschäftsreisen so viel komplexer und unsicher geworden ist.“

Carmen Dücker stellte zugleich fest, dass der Appetit nach Service gestiegen ist. Das sehe man u.a. bei der digitalen Guest Journey, die im Moment wenige Hotelgäste nutzen würden. Vielmehr suchen sie derzeit mehr Kontakt zu den Mitarbeitern im Hotel, wollen viel erklärt bekommen und einfach betreut und umsorgt werden.


Sylvie Konzack …

ist ein wenig überrascht, wie schnell das neue Arbeiten den Business bzw. Bleisure Travel verändert hat. Aber die aktuellen Krisen werden hier sicher noch einmal für weitere Überraschungen und Veränderungen sorgen, glaubt sie.

Fotos: © iStock.com/AscentXmedia, Konzack

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