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BLEISURE Remote Work

Workation Hotspot Portugal

„ … für Workation und Bleisure. Vor über zehn Jahren reiste ich erstmals privat nach Lissabon, inzwischen ist Portugal ebenso beruflich eine zweite Heimat für mich. Auch meinen portugiesischen Partner lernte ich hier kennen. Eindrücke aus ­Lissabon, Porto und Madeira.“ Claudia Brüggen

Blick auf die Stadt Porto und den Fluss Douro mit traditionellen Booten mit Portweinfässern und Segelschiffen vom berühmten Aussichtspunkt Marginal de Gaia am Flussufer. Porto, Vila Nova de Gaia, Portugal

Wir sitzen am Flussufer des Tejo, die Wellen glitzern, mein Blick folgt den Booten gen Atlantik. Es liegt Glück und Aufbruch in der Luft. Ich bin in Lissabon, treffe mich mit einem Kunden, für den ich seit über vier Jahren Souvenir-Kollektionen konzeptioniere – auch beruflich bin ich damit seit Jahren mittendrin in Portugals Tourismus-Boom. 2024 war hier das erfolgreichste Tourismusjahr mit 31,6 Mio. Gästen – doppelt so viel wie 2013. Und spätestens als vor einigen Jahren Tuk Tuks die Straßen Lissabons verstopften, musste ich mir eingestehen, dass die Stadt längst kein Geheimtipp mehr ist.

Heute sehnt sich ein Teil von mir nach den guten alten Lieblingsorten, die nun hoffnungslos überlaufen sind. Der andere Teil ist noch immer voller Vorfreude auf Lissabon als vertrauter Freund und aufregender Flirt. Die Stadt hält stets Neues bereit, zugleich kann ich mich nie sattsehen an den Azulejos, den handbemalten Fliesen, und den Panoramablicken von den sieben Hügeln der Stadt.

Schnittpunkt zweier Bica-Standseilbahnen. Der Elevador oder Ascensor da Bica ist eine beliebte Touristenattraktion im Stadtteil Chiado in Lissabon. Im Hintergrund der Tejo.

Auch für Bleisure Traveller und Remote Worker ist Lissabon seit Jahren ein Hotspot. Tolle Gastronomien und Traumstrände treffen auf eine boomende Kreativ- und Start­-up-Szene. An Coworking Spaces, Communities und Branchenevents, wie der Tech-Konferenz Web Summit, mangelt es nicht – dagegen an bezahlbarem Wohnraum bei einem portugiesischen Durchschnittseinkommen von nur 1.162 Euro netto (Anfang 2025). Seit Beginn der Pandemie stiegen Hausmieten in Portugal um 43 % und mehr. Meine portugiesischen Freunde sehen den Grund im Politikversagen, indem Ausländer mit Steuervorteilen oder dem Golden-Visa-Programm angelockt wurden, ohne die Bevölkerung mitzunehmen. Immer mehr junge Portugiesen verlassen das Land, die Politik versucht gegenzulenken. Fraglich, ob das erfolgreich sein wird.

Aufstrebendes Porto

Wir fahren weiter nach Porto, in die Heimatstadt meines Partners. Er erzählt, dass das ehemalige Fischerviertel Ribeira und die Innenstadt (Baixa) – heute Porto-Highlights – noch bis in die 1990er Jahre stark heruntergekommen waren. Keine Spur von den vielen Cafés und Restaurants, die die Viertel heute so attraktiv machen. Große Sanierungsmaßnahmen sollten damals auch die Bevölkerungsabwanderung stoppen und den Tourismus fördern. Es setzte tatsächlich ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. So gesehen wäre es auch in Porto zu einfach zu sagen, dass mit den Touristen und Investoren die Probleme kamen.

Lissabon: renoviertes Gebäude

In puncto Remote Work befindet sich Porto auf großer Aufholjagd. Zwischen 2017 und 2021 gab es ein Wachstum von 148 % beim Ranking der beliebtesten Reiseziele für digitale Nomaden (Turismo de Portugal). Die Mieten sind hier günstiger als in Lissabon, und im Vergleich vermischen sich hier noch Locals und Reisende, z. B. auf der Rua da Galeria de Paris. Zudem gibt es in Porto Strände. Und überhaupt: Im Gegensatz zum eher noblen Lissabon sind die Portuenser bodenständiger, geradeheraus, humorvoll und fluchen gerne.

Azulejos an einem Gebäude

Workation-Paradies Madeira

Madeira hat in den letzten Jahren ohne Frage den größten Imagewandel hingelegt. Lange zog es Ruheständler auf die Insel, heute gehört sie zu den Top-Zielen für Remote Worker. Dafür sorgte auch die Lokalregierung während der Pandemie, die u. a. leere Hotels bereitstellte und sich Coworking- und Coliving-Spaces entwickelten. Der Ort Ponta do Sol ernannte sich 2021 zum ersten Digital Nomad Village weltweit und ist bis heute aktiv.

Auch ich habe mein Herz an Madeira verloren. Warme Sommer, milde Winter, spektakuläre Wanderwege und Wassersport – perfekt, um zur Ruhe zu kommen, und zugleich den Anschluss an Gleichgesinnte zu haben. Doch ja: Die neue Popularität Madeiras ließ auch hier die Preise ansteigen. Dabei können auch Reisende viel für einen sanften Tourismus tun – ob mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt Tuk Tuks oder Hotels in weniger bekannten Stadtvierteln statt Airbnb im Zentrum. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

 


Claudia Brüggen …

… ist Reisejournalistin, Illustratorin und Texterin mit Schwerpunkt Psychologie und Gesundheit.
Seit 2018 lebt und arbeitet sie ortsunabhängig und verbringt einen großen Teil des Jahres auf Reisen.

 

Bleisure Tips

In Lissabon: 8 Marvila – Kreativzentrum in Industriegebäude, ähnelt LX Factory bevor es zum Touristen-Hotspot wurde. Fado-Dinner in Casa de Linhares.
Feierabend am Strand in Porto? Im Restaurant Lapa Lapa oder Praia da Luz. Bosco Porto thront samt Bar über den Dächern der Stadt.
WOW Porto: Kulturzentrum mit sieben Museen, Restaurants und Cafés inkl. Bilderbuchaussicht.
Auf Madeira (großes Foto) Wanderweg PR 8 Vereda da Ponta de São Lourenço – Tipp: im Dunkeln für Sonnenaufgang starten. Traumhafte Gartenan­lagen: Botanischer Garten Madeira und Monte Palace Madeira.

Fotos:© Claudia Brüggen, iStock.com/f9photos, iStock.com/bennymarty, Claudia Brüggen (Renoviertes Haus, azulejos), iStock.com/f9photos, iStock.com/bennymarty

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