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Working, Living, Leisure in Serviced Apartments

„Reisende, die über Wochen und Monate in der Ferne wohnen und arbeiten, erleben Land und Leute intensiver als andere – das ist klar. Serviced Apartments, die es bisher vorrangig in Großstädten gibt, sind auf das Langzeitwohnen im „zweiten Zuhause“ spezialisiert. Viele Anbieter setzen dabei immer mehr auf Bleisure-Optionen, auch beschleunigt durch den Remote-Work-Trend.“ Sylvie Konzack

Nein, Businessreisen gab es 2020 wenige, und damit auch kaum klassische Bleisure-Verlängerungen. Hotels blieben in Folge in den Großstädten häufig leer und geschlossen – ganz im Gegensatz zu Serviced-Apartmenthäusern und Aparthotels. „Allein in Deutschland blieben rund 70 Prozent im Frühjahrs-Lockdown weiter geöffnet, berichtet Anett Gregorius, Inhaberin des Vermittlungs- und Beratungsunternehmens Apartmentservice. Denn wer für ein Projekt länger an einem Ort zu tun hatte oder neu in die Stadt gezogen war, schätzte vor allem im Corona-Jahr 2020 und jetzt die Sicherheit der abgeschlossenen Wohneinheiten mit Kitchenette bei häufig kontaktlosen Zugängen, die Service-Angebote und flexiblen Umbuchungs- und Stornierungskonditionen.

Auch gestrandete Geschäftsreisende oder Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen und Behörden buchten und buchen in diesen Tagen gern Serviced Apartments (Fotobeispiel links: Joyn Serviced Living). Für noch mehr Sicherheit haben Vermittler wie Apartmentservice ein eigenes Stay-Safe-Kennzeichen entwickelt. Anbieter wie die Living Hotels verfügen in der Lobby über Thermoscans oder eine UV-Desinfektion für Handys und Laptops. Bei Pearl 1 in Berlin, z. B. im „Aeronaut oder in den Wohnungen wie „Lotte, gibt es eine Hygiene-Luftschleuse am Gebäudeeingang und -ausgang sowie eine mobile Luftreinigung in den Apartments. Während die Serviced Apartments des Aeronauts im szenigen Berlin-Neukölln selbst mit Wohlfühlkomfort aufwarten – mit Sessel oder Couch, anti-allergener Matratze, komplett ausgestatteter Küche samt Thermomix und Nespresso-Kaffeemaschine sowie mit Bademantel und Whirpool auf der Terrasse im siebten Stock.

„Auch wenn klassische Hotels derzeit Langzeitangebote machen – viele von ihnen haben keine getrennten Wohn- und Schlafbereiche und keine Kitchenette, die bei Serviced Apartments obligatorisch sind und die Selbstversorgung in zentralen Lagen ermöglichen. Serviced Apartments sind in puncto Wohnen auf Zeit einfach die Originale“, betont Anett Gregorius. Hinzu kommt die entspanntere Nicht-Hotel-Atmosphäre mit echten Wohnzimmerelementen und Menschen in der Umgebung, die man über Wochen wiedertrifft. Live like a local – in Serviced Apartments ist das noch einmal eine Ecke intensiver möglich als in klassischen Hotels.

Mein Westend, Dein Westend

Frankfurt, meine Heimat, wird touristisch völlig ­unterschätzt“, sagt in diesem Sinne auch eine Mit­arbeiterin von Adina Hotels und hat deshalb einen Gäste-Blogbeitrag geschrieben über den Westend, der normalerweise meist für Banken und Villen steht. Adina hat in Frankfurt selbst ein Aparthotel, will aber auch von und in seine Häuser in Hamburg, Berlin, Nürnberg, Kopenhagen oder Budapest ­locken. Denn wer wochenlang in einer fremden Stadt lebt, kann am Wochenende auch andere Städte in der Nähe entdecken. Mit den Neueröffnungen in Köln und Wien im April 2021 oder in München Ende 2021 auf einem alten Kartoffelsilo erweitert sich das Spektrum noch einmal mehr. Als Premiumanbieter sind dabei die Serviced Apartments ­mindestens ca. 30 Quadratmeter groß (Foto links oben), sie haben immer einen Livingbereich mit Sofa & Co. sowie eine vollausgestattete Küche und Waschtrockner. Hinzu kommen im Haus ein Restaurant und oft ein Pool und Fitnessbereich. Wer will, kann in den größeren Apartments auch seinen Besuch unterbringen und gemeinsam die Gegend entdecken.

Föhr-Ausflug oder Auswandern auf Zeit?

Seit Oktober 2020 hat Joyn Serviced Living in Köln in der alten Zentrale der Parfümmarke 4711 ein Serviced-Apartmenthaus mitten im Veedel mit viel Multikulti-Flair geöffnet. Dabei sorgt auch das Haus selbst für viel „lebendige Normalität“, denn die 112 Business Apartments samt Community Lounge treffen hier auf 136 Studentenapartments in den unteren Stockwerken. Business-Apartment-Gäste können zudem lokale Restaurant-Deals vor Ort, einen Einkaufsservice, E-Bike-Verleih und Fitnesskooperationen nutzen.

Im The Spot – Serviced Apartments in München locken auch E-Roller zur freien Nutzung, und es gibt eine Kooperation mit My Fitness Card als Fitness-Flatrate mit über 200 teilnehmenden Studios in München. Ansonsten lädt neben der Lobby zum Chillen (Foto oben) und den 62 Suiten, die sich den New-York-Living-Stil auf die Fahnen geschrieben haben, auch der angrenzende Olympiapark zum Laufen und Relaxen ein. An den Wochenenden finden hier, unter pandemie-freien Umständen, auch häufig Volksfeste, Trödelmärkte, Open-Air-Kino-Veranstaltungen und Konzerte statt.

Ebenfalls in München und zahlreichen anderen deutschen und österreichischen Städten haben die Living Hotels jetzt ein „Fitnessstudio für den Geist“ eingerichtet: Mindset Coaching heißt die App (Foto oben), die die Gäste mit einem persönlichem, kostenlosen Zugangscode bis zu drei Monate auf ihrem Smartphone laden können. Sie umfasst zwölf Vier-Wochen-Pläne für individuelle Ziele wie „Positiver Denken“, „Selbstbewusster agieren“ oder „Mehr Fokus haben“. Aufgeteilt auf tägliche 10-Minuten-Übungen, sorgen sie so im Alltag in der Ferne für den passenden „Motivationspush“ im Kopf. Und nicht wundern, wenn man auch Living-Hotels-Mitarbeiter mit der App sieht. Viele nutzen das Mindset Coaching auch selbst, denn für sie waren die letzten Corona-Monate ebenso herausfordernd.

Wer wiederum in Hamburg zu tun hat und es mehr skandinavisch mag, der wird auch in den zwei Häusern der von Deska Townhouses zur Verbindung von Arbeit und Freizeit inspiriert werden. Im Ivy House, einer alten Backsteinvilla, steht im Garten ein Sporthaus samt ­dem Angebot von Yoga-Kursen, Personal Trainer und Sauna. Im White House treffen wiederum in einer Stadtvilla Stuckdecken und Fischgrät-Parkett auf Balkone oder einen eigenen Garten. Es gibt einen Fahrradverleih, geführte Stadttouren samt Picknick-Korb oder auch Stand-up-Paddling-Angebote. Der Clou aber ist die Ausflugsmöglichkeit auf die Nordsee­insel Föhr: Hier bietet von Deska mehrere eigene Countryhouses (Fotos unten) und strickt für Gäste der Hamburger Townhouses spezielle Pakete für eine kurze Auszeit oder gar einen Wechsel des Remote-Work-Arbeits- und Lebensplatzes.

Und wen es noch weiter in die Ferne zieht, weil er wirklich von überall aus arbeiten kann: Die Martinhal Family Hotels & Resorts in Portugal (Fotos unten) können seit kurzem auch für mehrere Monate gemietet werden. Zur Auswahl stehen Apartments wie auch Villen in den Familienresorts Martinhal Chiado und Cascais in Lissabon oder in Sagres an der Algarve. Wer seine Familie mitbringt, kann auch den Kidsclub mitnutzen. Und für schulpflichtige Kinder haben das singapurisch-schweizerische Unternehmerpaar Chitra und Roman Stern, das hinter Martinhal steht, sogar eine internationale Schule in Lissabon eröffnet. Bleisure Travel, Bleisure Work, Remote Work – alles wird in fliessend neuer Form möglich.


Sylvie Konzack …

beobachtet seit etwa zehn Jahren, wie sich Serviced Apartments zur charmanten Wohnalternative auf Zeit im Vergleich zu klassischen Hotels entwickeln. Denn Geschäftsreisende, Städtereisende, Freizeitreisende – alle sind immer mehr zur gleichen Zeit alles. Schubladen-Denken war gestern, wenigstens das hat Corona mitverändert.

Fotos, von oben nach unten: © Martinhal Family Hotels & Resorts (Aufmacher), Joyn Serviced Living, Adina Apartment Hotels, The Spot – Serviced Apartments, Christian Behnke (Foto Living Hotels / Mindset Coaching), von Deska Countryhouses, Martinhal Family Hotels & Resorts

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