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Forget Rio: Dat Hätz vun dr Welt, jo dat es Kölle!

„Wer vor der heißen Karnevalszeit in Köln Geschäftstermine hat, kann das Kostüm gleich miteinpacken. Denn jeder wird hier zum Feiern mitgenommen. Karneval als Bleisure pur.”
Anja Eigen, Inhaberin Eigen-PR, Bloggerin und Gastautorin des Bleisure Traveller

Denn wenn et Trömmelche jeiht“, ja dann zelebrieren wir Kölner unsere Fünfte Jahreszeit, den Karneval. Es mag den ein oder anderen Kölnbesucher irritieren, in der Zeit von November bis Aschermittwoch mitten auf der Straße – an ganz normalen Tagen – Verkleideten zu begegnen, als sei es normal. Es ist normal! Wir Kölner wissen dann, dass wir uns in der schönsten Zeit im Jahr befinden, die an den Tagen von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch ihren Höhepunkt erreicht. Denn dass die Kölner Köln so sehr lieben, hat weniger mit der Schönheit der Stadt als vielmehr mit dem Lebensgefühl, dem „Kölsche Jeföhl“ zu tun, und das wiederum sehr viel mit Karneval. Karneval – das ist die Essenz des Kölsche Jeföhl.

Businesstermine bis Mittwoch, feiern ab Weiberfastnacht

Köln wird als Bleisure-Destination immer interessanter, das war erst auf einer Fachtagung zu hören. Das gute Lebensgefühl spricht sich herum. Und wer verstehen möchte, was es mit der Rheinischen Lebensart auf sich hat, sollte am besten zur Karnevalszeit in die Domstadt kommen. Doch opjepas: Keine geschäftlichen Termine an Weiberfastnacht oder Rosenmontag! An diesen Tagen wird in Köln nicht ernsthaft gearbeitet, Rosenmontag ist ein Feiertag. Es empfiehlt sich also, den Termin auf den Mittwoch vor Weiberfastnacht zu legen, um sich danach für ein paar Tage ins karnevalistische Treiben zu stürzen.

Meine ersten Schunkelversuche habe ich übrigens selbst bei einem Bleisure-Trip gemacht, als ich damals noch in München lebte und weder mit Karneval noch mit dem Münchner Fasching etwas zu tun hatte – und auch nicht wollte. Aber in Köln existieren in der Zeit von Weiberfastnacht bis Rosenmontag nur zwei Optionen: mitfeiern oder wegfahren, und ich entschied mich dafür, mich auf den Karneval einzulassen.

Seit 20 Jahren lebe ich nun hier am Rhein, habe meinen Mann im Karneval kennengelernt, meine Kinder in der Hochburg des Karnevals, in der Kölner Südstadt, zur Welt gebracht. Und eines ist ganz klar: „et Hätz bliev he in Kölle“, wie es Stefan Raab mit den Höhner so schön singt. Karneval findet heute grundsätzlich mit mir statt.

Karneval ist nicht Karneval

Als das Redaktionsteam des Bleisure Traveller fragte, ob ich nicht einen Beitrag über den Kölner Karneval schreiben wolle, musste ich gleich gerade rücken: Karneval ist nicht gleich Karneval! Es gibt verschiedene Spielarten: den Sitzungskarneval mit Büttenreden und Auftritten der vielen kölschen Bands – gefeierte Stars in ihrer Heimat, die während der Session bis zu 300 Auftritte haben, in den Hochphasen manchmal über zehn täglich. Karneval, das sind natürlich auch die Karnevalszüge wie der große, aus Funk und Fernsehen bekannte Rosenmontagszug und die vielen kleineren in den Stadtteilen, die der Kölner „Veedel“ nennt. Die Kölner lieben ihre Schul- und Veedelzöch, die am Sonntag ab 11.11 Uhr von der Südstadt durch die Innenstadt ziehen. Bunte Kostüme, wohin das Auge reicht, mit viel Liebe und Kreativität von Schulen und Vereinen gebastelt, da geht uns „he in Kölle“ das Herz auf.

Und dann gibt es den Kneipenkarneval, den ich persönlich am schönsten finde. Für den Kneipenkarneval braucht es keine große Vorbereitung: eine kneipentaugliche Verkleidung und eine alte Jacke drüber, die man nach dem Warten in der Schlange in die Ecke werfen kann. Denn drinnen wird getanzt, gesungen, Kölsch getrunken und irgendwann zu „En unserem Veedel“ zusammen geschunkelt. Leben und leben lassen. Zusammen feiern. „Häste och kei Jeld, Dat es janz ejal, Drink doch met un kümmer disch net drüm.“ Das ist kölsches Jeföhl pur und wird in den vielen schönen Karnevalsliedern besungen. So lange bis es jeder verstanden hat!

Donnerstags, am Wieverfastelovend geht der Kneipenkarneval übrigens los, und der Tag zählt zu den beliebtesten Kneipenkarnevalstagen in Köln. Möchte man an dem Tag in die bekannten Karnevalskneipen der Südstadt wie Ubierschänke, Haus Müller oder Chlodwigeck feiern, sollte man am Donnerstag bereits früh morgens anstehen, um einen Steh-/Tanz-/Schunkelplatz drinnen zu ergattern. Es wird eng! Auch im Belgischen Viertel oder in Ehrenfeld, Sülz oder Nippes gibt es fantastische Karnevalskneipen wie das Alcazar, das Unkelbach, das Gasthaus im Viertel. „Mit Vergnügen Köln“ veröffentlicht regelmäßig gute Adressen, von cool und angesagt bis zu den traditionelleren Adressen.

Und wer Dienstag noch nicht genug hat und etwas über die Strenge geschlagen hat, der sollte noch einmal losziehen, um mit den anderen Karnevalssündern beim Ritual der Nubbelverbrennung, einer Strohpuppe, seine Sünden und Verfehlungen wieder loszuwerden.

In den Karneval eintauchen – ganz konkret …

Zuerst das Hotel – zwei Tipps: Das Lindner Hotel City Plaza feiert Köln auf seinen Themenetagen, die unter anderem dem Dom, 4711 Echt Kölnisch Wasser und natürlich dem Kölner Karneval gewidmet sind (siehe Foto unten), gestaltet mit Motiven des Streetart-Künstlers SeiLeise. Die Innenstadtlage ist der ideale Ausgangspunkt für Entdeckungstouren im Karneval. Auch der Hoteldirektor ist ein echt jecker Typ.

Gar nicht weit vom Lindner ist das 25hours Hotel The Circle im ehemaligen Midcentury-Gebäude der Gerling Versicherung. Es spielt wunderbar mit den Themen Wirtschaftswunder und technische Utopien der 1950er und 1960er Jahre. Wie in vielen anderen Städten, hat sich das Hotel zum Hotspot entwickelt samt fantastischem Blick auf unseren geliebten Dom.

Mein Tipp von hier: Mit der Bahn in die Südstadt zum Chlodwigplatz fahren und sich in eine der vielen Kneipen treiben lassen. Dann die Location nicht mehr wechseln, denn man kommt nur schwer woanders wieder rein.
Bei schönem Wetter kommt auch auf den Plätzen in der Südstadt super Stimmung auf. Und Freitags ist es in den Kneipen deutlich entspannter und nicht weniger schön. Ja, so kann man bis Mittwoch in Köln solange feiern, tanzen und schunkeln, bis man keine Lust mehr hat.


Anja Eigen …

singt sich gern schon Wochen vorher ein. Denn wenn man bereits die Refrains der bekannten Karnevalslieder kann, macht Karneval noch mehr Spaß. Hier eine Auswahl als Schnellkurs: https://www.dw.com/de/elf-k%C3%B6lsche-lieder-die-man-kennen-muss/a-18996159

Fotos: Eigen, Lindner Hotel City Plaza

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