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LEISURE

Big Surprise Atlanta

Wohl nirgends ist die US-Geschichte so greifbar wie in der Geburtsstadt Martin Luther Kings. Die Metropole überrascht – in jeder Hinsicht.“

Schon der Anflug auf die Hauptstadt des US-Bundestaats Georgia ist gigantisch. Der Hartsfield-Jackson International Airport ist mit über 100 Millionen Passagieren im Jahr der verkehrsreichste Flughafen der Welt und zugleich wichtigste Drehkreuz der amerikanischen Gesellschaft Delta Air Lines. Überhaupt bietet die Stadt im Südosten der USA einige Überraschungen, wenn es um schiere Größe geht. Obwohl dort gerade einmal eine halbe Million Menschen lebt.

Mit CNN ist der größte Nachrichtensender der Welt in Atlanta zu Hause. Außerdem wurde Coca-Cola, die bekannteste Brause des Planeten, hier erfunden und prägt das Stadtbild noch heute. Und wer sich an einem der größten Aquarien der Welt die Nase plattdrücken will, muss ebenfalls in die City, die die Indianer „Standing Peachtree“ (stehender Pfirsichbaum) nannten.
Auch zeitgeschichtlich ist Atlanta ein Big Player. Im amerikanischen Bürgerkrieg war die Stadt als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt an der Ostküste ein blutig umkämpfter Brückenkopf für beide Parteien, Konföderierte und Unionstruppen. Letztere zerstörten 1864 Atlanta fast komplett – ausführlich und bewegend von Margaret Mitchell in ihrem später verfilmten Roman „Vom Winde verweht“ zu Papier gebracht.

Und mindestens genauso schicksalhaft für die Geschichte der Metropole war das Leben und Schaffen des Predigers Martin Luther King, der in seiner Geburtsstadt einen Feldzug gegen die Rassentrennung im Land begann.

CNN im Freizeitpark

Wie viele amerikanische Großstädte ist die Innenstadt Atlantas übersichtlich. Hier konzentriert sich alles um das Gebiet der Peachtree Street, dem „Broadway“ Atlantas. Alles ist sauber und geordnet, für Touristen bestens bestellt – alles Nachwirkungen der Olympischen Sommerspiele, die 1996 im Stadtzentrum stattfanden. Die großen Hotelketten treffen auf ein paar historische Gebäude, Restaurants, Bars und die unvermeidlichen Mega-Drugstores Amerikas.

Der Olympische Park ist heute das Dreieck der lokalen Giganten. Hunderte von Softgetränke kann man im Firmenmuseum World of Coca-Cola verkosten. Wer sich also mit der Fanta-Version r. mit exotischen Kräutern aus Sri Lanka den Magen verderben will, ist hier genau richtig: Poppig und bunt, alles rund um das Kultgetränk und seine geheime Rezeptur.

Direkt daneben: das Georgia Aquarium, mittlerweile nicht mehr das weltgrößte Fische-gucken-hinter-Panzerglas-Etablissement, aber das einzige mit Walhaien. Tierschützer aus aller Welt protestieren bislang vergeblich gegen die Haltung der Wale in Gefangenschaft. Kritik muss sich auch immer wieder CNN gefallen lassen, das sein Hauptquartier auf der anderen Seite des Olympischen Parks hat. Der größte weltumspannende Nachrichtensender wurde von Ted Turner in Atlanta gegründet und residiert nun in einem Komplex, der früher mal ein Indoor-Freizeitpark war. Passt ja irgendwie, denn Touren kann man dort immer noch machen und den Nachrichtensprechern beim Verlesen der News durch ein Panoramafenster zuschauen.

Ganz anders geht man in Atlanta mit dem Gedenken an Martin Luther King um. In einer Stadt, in der deutlich mehr Farbige als Weiße leben, hat er Heldenstatus. Im April 2018 jährte sich der tragische Todestag des Bürgerrechtlers zum 50. Mal. Absolut empfehlenswert ist ein Besuch seines Nachlasses rund um die Auburn Avenue mit seinem Geburtshaus, der Ebenezer Baptist Church, in der er predigte, und mit dem Visitor Center, in dem eine bedrückende Ausstellung zur Geschichte der Rassentrennung in Amerika zu sehen ist.

Klebrige Bars und feinste Südstaatenküche

Das moderne Atlanta ist glücklicherweise weit von diesen dunklen Zeiten entfernt. „Little Five Points“, 4 km östlich von Downtown, ist ein bisschen wie Venice Beach in Los Angeles. Einige Blocks Anarchie mit Second-Hand-Läden, Tattoo-Shops, Ateliers, Gedankenlesern auf der Straße und sehr, sehr coolen Kneipen. Das „Vortex“ betritt man durch einen riesigen stilisierten Totenschädel. Drinnen: eine klebrige, freundliche Bar mit allerlei schrägen Gestalten und Spirituosen aus aller Welt. Und laut Internet wird hier einer der 20 besten Burger Amerikas serviert. Göttlich – das Ding rockt!

Auch kulinarisch ist Atlanta eine Reise wert. Die Südstaatenküche ist genauso präsent wie französische und asiatische Einflüsse. Sushi, Jambalaya und natürlich der „Sunday Brunch“ sind hier die Klassiker. Erdig-ehrlich geht’s bei „Max Lager’s“ zu. Im alten Backsteingebäude in der Innenstadt gibt es Craft-Biere aus eigener Herstellung, dazu selbstgebackenes Brot mit Spinat-Avocado-Dip. Am besten einen „Flight“ bestellen. Das sind die sechs hausgebrauten Biersorten, auf einem Holzbrett in kleinen Gläsern serviert. Ein weiterer Klassiker auf der Peachtree Street ist „Ray’s in the City“. Medium-Fine-Dining mit ordentlichen Tischdecken und ideal für ein ausgedehntes Frühstück am Wochenende. Die „Crab Cakes“ sind legendär. Wer aber schon sonntagmorgens um elf Uhr auf Bottomless Mimosa oder Bloody Mary hofft, muss bis 12.30 Uhr warten. Georgias bibelfeste Gesetzeshüter mögen keine Alkoholsünden am frühen Tag des Herrn. Aber Atlanta ist ja zum Glück mehr als das.


Kai Böcking …

hat Atlanta als große Wundertüte erlebt, die er so niemals erwartet hatte. Aber die USA sind eben mehr als NYC und LA und something between. Und er rät: Wer noch etwas Zeit vor oder nach seinem Business Trip hat – unbedingt die Bleisure-Karte in Atlanta ziehen.

 

Fotos: Kai Böcking, World of Coca-Cola, Giorgia Aquarium

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